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Dienstag, 14. Juni 2011

Offizielles OK von Chaela

Also meine Leser^^
Ich habe gestern des Offizielle OK von Chaela,
der Autorin von Rising Sun bekommen Ihre FF hier zu Hosten also zum Lesen Rein Zustellen^^
Das find ich echt super Hammer nett von ihr<3
Ich selber habe Rising Sun schon gelesen und finde es einfach Toll. Ich hab schon ein paar Kapitel hochgeladen in den Nächsten Tagen folgen weitere^^
Wenn ihr unter dem Header auf FanFiction geht kommt ihr zu RS, hier ein paar infos:

Titel:
Bis(s) das Licht der Sonne erstrahlt

Titelzusatz (quasi als englischer Titel):
Rising Sun

Autor:
chaela (Shape-shifter)

Kapitel/Seitenanzahl:
27

Erstveröffentlichung:
27. März 2009

Inhalt:
Sieben Jahre sind seit den Ereignissen von "Bis(s) zum Ende der Nacht" ("Breaking Dawn") vergangen. Aus Renesmee ist inzwischen eine Teenager geworden und obgleich sie sich von ihren Mitschülern unterscheidet bleibt auch sie nicht vor den diversen Problemen Jugendlicher verschont. Besonders zu schaffen macht ihr dabei ein Gefühlschaos sondergleichen. Wird die Tatsache das ein Werwolf auf sie geprägt ist, ihre Entscheidungen beeinflussen? Oder wählt sie doch einen anderen Weg?
Und wenn sie ihre Wahl getroffen hat, wie geht es dann weiter für den jungen Halbvampir?
Eines ist sicher: zwischen Vampiren, Werwölfen und jede Menger Mythen und Sagen die in den Augen der Menschen gar nicht real sind, hat es selbst ein übernatürliches Mädchen alles andere als einfach...

Also Rising Sun lohnt sich auf jeden Fall zu lesen^^
Es wird von Kapitel zu Kapitel immer Besser ;)

xoxo euer Admin



Montag, 14. Juni 2010

Kapitel 07 - "[Jacob] Ich kann nicht mehr"

Als Nessie das Haus verlassen hatte und das Auto nur noch in der Ferne zu hören war, sagte keiner etwas. Wir saßen oder standen alle nur herum und rührten uns nicht.
Ich versuchte zu verarbeiten, was eben geschehen war. Ich wünschte mir, es wäre nur ein böser Traum gewesen. Wünschte, dass sie das gerade eben nicht wirklich getan hatte.
Sie hatte genau gewusst wie sie mir wehtun konnte und ihr Wissen auch ausgenutzt.
Das Wissen das sie mir gezielt weh tun wollte, tat weit mehr weh als die Tatsache, dass sie es letztlich getan hatte.
Ich hatte bei den anderen Geprägten aus meinem Rudel stets angenommen, dass die Prägung automatisch dazu führte, dass man am Ende mit seinem Mädchen zusammen kam.
Nun wusste ich, dass das gar nicht so selbstverständlich war. Bei allen anderen schien es so..
Woran lag es, dass es ausgerechnet bei mir nicht so funktionierte?
Wirkte die Prägung gar nicht auf sie, sondern einzig auf mich?
Wirkte sie wirklich immer nur auf die Wölfe und nie auf ihre Auserwählten?
Wenn ja, dann lag es an uns ob wir mit der Person zusammen kamen oder nicht.
Dann waren einfach alle anderen erfolgreich gewesen und ich schlichtweg unfähig.
Ich war nicht gut genug gewesen... zu „schlecht“ für Nessie.

Ich schloss die Augen und ließ meinen Kopf mit einem lauten Schlag auf die Marmor-Tischplatte knallen. Es war fast ein Wunder das sie nicht zerbrach, als ich einfach alle Muskeln erschlaffen ließ.
Bella stieß einen spitzen Schrei aus. „Jake!“
Und wenige Millisekunden später stand sie neben mir und drückte meinen Oberkörper zurück in den Stuhl. „Alles in Ordnung?“
Langsam öffnete ich die Augen und blickte in ihr sorgenvolles Gesicht.
„Nach was sieht es denn aus?“, antwortete ich bitter.
Sie antwortete nicht und sah mich einfach nur traurig an.
Ich schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid, Bella.“
Dann erhob ich mich und schleifte mich aus der Küche und die Kellertreppe hinab.
Meine Beine fühlten sich an wie Blei. So kraftlos hatte ich mich das letzte Mal nach dem Kampf gegen die Neugeborenen gefühlt. Und es war so plötzlich gekommen.
Oder vielleicht doch nicht?
Ich ließ mich auf mein Bett fallen und schloß die Augen.
Seit Renesmee in die Schule gekommen war, hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengegend gehabt.
Es war eigentlich überhaupt nicht meine Art alles einfach so hinzunehmen. Bei Bella hatte ich bis zum Schluss gekämpft. Aber bei Nessie hielt mich etwas davon ab.
Mein Wunsch das sie mich so liebte, wie ich sie liebte stimmte nicht mit meinem Drang ihr zu geben was sie wollte und sie glücklich zu sehen überein.
Ich konnte dem Ganzen zwar zeitweilig widerstehen, etwa wenn ich sie bat kein Blut zu trinken und ihr widersprach, aber bei so maßgeblichen großen Dingen wie der Liebe, waren mir die Hände gebunden.
In diesem Moment wurde mir in vollem Ausmaße bewusst wie sich Edward wahrscheinlich damals gefühlt hatte, als ich ihm Bella streitig gemacht hatte. Im Gegensatz zu mir, hatte er nie offensichtlich gekämpft, er hatte ihr stumm gegeben was sie wollte und durch deine Selbstlosigkeit war er letztlich der bessere Kämpfer gewesen. Ich hatte das nie verstanden.
Konnte nicht begreifen, wie man so extrem selbstlos sein konnte.
Nun wusste ich es und doch hatte ich nicht das Gefühl, dass mir mein stummes Hinnehmen irgendwie half was Nessie anging.
Ich fühlte mich im wahrsten Sinne des Wortes hundeelend.

Einige Zeit lang versuchte ich einfach alles zu verdrängen, schloss die Augen und hoffte das ich in einen traumlosen Schlaf fallen würde, doch dem war nicht so.
Ich wälzte mich unruhig im Bett hin und her.
Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und stand wieder auf. Meine Füße trugen mich mehr oder weniger zu der kleinen Kommode gegenüber. Langsam zog ich die unterste Schublade heraus, griff hinein und zog das kleine rote Samtkästchen hinaus.
Ich streichelte den zarten Stoff und fuhr die silberne Herzverzierung aus edlem vergoldeten Garn nach, die hinein gestickt war.

Mit dem kleinen Gegenstand in der Hand verließ ich mein Zimmer. Es war glücklicherweise niemand zu sehen und ich lief zielsicher, wenn auch verhältnismäßig schleppend hinauf in den ersten Stock und öffnete die weiße Tür zu Nessies Zimmer.
Es war relativ unaufgeräumt. Ich musste sogar über einige Kleidungsstücke am Boden steigen, was für Nessie schon ungewöhnlich war. Offenbar war sie schon vor der Schule sehr aufgewühlt gewesen. Auf ihrem Schreibtisch lag eine Pralinenschachtel.
Neben dem schokoladigen Geruch der von ihr ausging vernahm ich noch einen Anderen.
Er war menschlich. An sich etwas gewöhnliches und doch ließ er in mir fast die Galle hoch steigen.
Am liebsten hätte ich die Schachtel im hohen Bogen aus dem Fenster geworfen oder verbrannt, aber wieder hielt mich Mutter Natur davon ab, meine eigene Bedürfnisse über Nessies Wünsche zu stellen. Sie hatte die Schokolade angenommen und hier hin gelegt, das bedeutete sie wollte sie auch behalten. Punkt. Aus. Ende.

Ich wand mich vom Schreibtisch ab und setzte mich auf ihren Bettrand. Zwei große Kissen lagen am Kopfende. Eines war das ihrige, das Andere hatte ich benutzt, als es ihr nach dem Zwischenfall in der Schule nicht gut gegangen war. Die Erinnerungen ließen zu gleichen Teilen Freude und Trauer in mir aufsteigen.
Freude, weil es so schön gewesen war mit ihr ausgelassen herum zu tollen und weil ich zum aller ersten Mal ein seltsames Knistern zwischen uns gespürt hatte.
Trauer, weil dieses Knistern so schnell ging wie es gekommen war und weil ein anderer Schuld daran war, dass dieser Augenblick so schnell vorbeigegangen war.

Kurz machte ich ihre Bettdecke zu recht und klopfte die Kissen auf.
Obwohl ich mein eigenes Bett so gut wie nie machte und sie immer wieder deswegen gemeckert hatte, war ich ziemlich geschickt darin ihr Bett zu machen.
Als alles ordentlich war legte ich mein Kästchen vorsichtig auf ihr Kopfkissen.
Bevor ich den Raum verließ warf ich noch einmal einen Blick zurück. Sie würde sicher nicht wollen, dass ich ihr ganzes Zimmer aufräumte. Das Gute an der Sache war, dass sich die Sauberkeit im Zimmer nun auf einen Punkt konzentrierte und das war das kleine rote Quadrat auf dem frisch gemachten Bett. Das war mindestens genauso gut wie ein göttlicher Lichtkegel der vom Himmel schien und einem Frauenchor der Halleluja sang. Sie würde es sicher bemerken.
Ich lächelte zufrieden und schloss die Tür hinter mir.

Als ich unten am Treppenabsatz ankam lief gerade Bella mit ihrem himmelblauen Wäschekorb vorbei. „Jake, geht es-“
Ich unterbrach sie. „Schon okay, Bella.“
Sie sah mich verdutzt an. Ich zwinkerte ihr kurz zu, dann marschierte ich zügig zur Haustür.
Nach wenigen Schritten war ich schon im Wald, wo ich sorgsam meine Kleider unter einen Strauch legte und die Wolfsgestalt annahm.

Sofort hagelte das Gedankengewirr auf mich ein.
Jake! Jacob! Jake!
Mein Rudel hatte mich vermisst. Ich musste mich mächtig anstrengen, um das kürzlich geschehene und meine Gefühle zu verbergen und natürlich gelang es mir nicht wirklich, es geheim zu halten.
Oh Jake, das tut uns wirklich so leid, meinte Quil bedrückt.
Ich versuchte es so gut es ging zu überspielen.
Ach das wird schon... und wenn nicht, dann kann ich immernoch ihr Bruder sein.
Sie antworteten nichts darauf. Ich spürte aber, dass sie einfach nicht wussten, was sie tun sollten.
Und wie läufts im Reservat?
Ich hoffte durch den Themenwechsel bessere Stimmung zu bekommen.
Keine besonderen Vorkommisse, Jake, gab Leah bekannt.
Sehr gut, antwortete ich.

Eine Weile kam dann darauf nichts mehr, bis sich Leah wieder zu Wort meldete.
Jake?
Mh?
Soll ich vielleicht mal mit ihr reden?
Was?!, fragte ich bissig.
Naja so.. von Frau zu Frau.
Wenn sie neben mir gestanden hätte, hätte ich Leah jetzt verdutzt angestarrt.
Geht es dir nicht gut Leah? Sie ist ein halber Vampir, schon vergessen?
Sie seufzte. Nein, natürlich nicht. Aber sie ist das Mädchen das für dich bestimmt ist. Es ist egal was sie ist.
Ach komm Leah... du brauchst keine Frauengespräche zu führen...
Aber Jake-
Nein, vergiss es Leah. Wir sind hier nicht bei Doktor Sommer! Und jetzt halt die Klappe!
Der Befehl des Leitwolfs ließ sie schlagartig verstummen und ein Gefühl von Erleichterung machte sich breit.
Die Anderen wussten das es das Beste so war und schienen sich alle zurückverwandelt zu haben.
Inzwischen war ich schon ziemlich weit gekommen.
Ohne einem Ziel vor Augen lief ich durch den dichten Wald.
Und mit einem Mal wies mir mein Bauchgefühl eine Richtung zu. Schlagartig hatte ich ein Ziel.
Und kaum fünf Minuten später wusste ich auch schon was mich an diesen Ort geführt hatte: das unsichtbare unglaublich fest und dicht gewebte Band, dass mich mit Renesmee Cullen verband. Die Fäden, die mich bei ihr hielten, ganz gleich wie weit ich von ihr entfernt war, irgendwas zog mich stets zu ihr und ohne ihre Nähe fühlte ich mich wie eine Pflanze ohne Erde, ein Fisch ohne Wasser oder ein Abhängiger ohne seine Droge.
Für einen Moment war ich Glücklich in ihrer Nähe zu sein und im Nächsten wünschte ich mir, ich hätte die Villa niemals verlassen und hätte Zuhause auf ihre Rückkehr gewartet.

Sie stand auf einer kleinen Lichtung – mit ihm.

Mein Magen verkrampfte sich und mein Herz schlug immer schneller als ich die beiden da sah.
Er war etwas größer als sie und blickte auf sie hinab, hielt aber ihre Hand und so standen sie da und sahen sich an. Wie er sie ansah...
Ich konnte von meinem Blickwinkel nicht richtig sehen wie sie ihn ansah und ich war mir sicher es war besser für mich es nicht zu wissen.
„Danke, Dave.“, hörte ich sie noch flüstern. „Das ist ein schönes Valentinstagsgeschenk“
Mein Herz machte einen Hüpfer. Er hatte ihr etwas geschenkt und sie freute sich darüber....
Ich wollte so gerne zu ihr gehen und ihr sagen, dass sie doch bitte zu Hause in ihr Zimmer schauen sollte, aber zum dritten Mal an diesem Tag hinderte mich die Prägung daran zu tun, was ich wollte.
Und so stand ich nun einfach nur da. Unfähig mich zu bewegen. Unfähig um meine Liebe zu kämpfen.
Innerlich begann ich vom Schmerz zerfressen zu werden und als er sich herabbeugte um sie zu küssen entfuhr mir ein tiefes Knurren. Schlagartig hielten sie inne und Nessie sah in meine Richtung. Es war stockdunkel und ich war im Schatten großer Tannen bedeckt von Sträuchern, dennoch wusste ich, dass sie mich sah.
Ohne umschweife machte ich kehrt und stürmte davon.
So schnell meine vier Pfoten mich trugen flüchtete ich vor dem was ich eben gesehen hatte durch den Wald. Es war schlimmer als eine Horde blutrünstiger Vampire. Schlimmer als der Schmerz damals bei den Neugeborenen und schlimmer als jener Schmerz kurz vor meiner ersten Verwandlung. Es war sogar schlimmer als damals, als ich erfahren hatte das Bella Edward heiraten würde.
Ich hatte das Gefühl ich wäre keine zwei Minuten gerannt da hatte ich die Villa schon erreicht.
Zügig zog ich meine Kleider unter dem Strauch hervor, verwandelte mich zurück und zog sie an.
Und jetzt da ich ein Mensch war, schlug der Schmerz noch einmal mit voller Wucht zu.
Ich fühlte mich als würde eine unsichtbare Macht mich zu Boden drücken und sank zurück auf die Knie.
Heiße salzige Tränen bahnten sich ihren Weg über mein Gesicht. Es waren leise Tränen, begleitet wurden sie von kaum mehr als einem Wimmern. Ich zitterte am ganzen Körper und spürte förmlich den Schmerz in meinem Herzen, als hätte man es wirklich durchtrennt.
Ich hatte schon gelitten als Bella sich für Edward entschied, aber bei Nessie war der Schmerz unerträglich.

Mühsam schaffte ich es mich zu erheben und schleppte mich zurück ins Haus.
Es war niemand zu sehen, offenbar waren alle unterwegs. Gut. Es musste ja nicht jeder sehen wie ich krepierte.
Der Weg die Treppe hinauf kam mir vor wie das Besteigen des Mount Everest. Sogar die Atemnot schwang mit. In diesem Haus gab es sicher genug Sauerstoff zum atmen und doch schaffte ich es kaum ein und auszuatmen.

Es dauerte eine Ewigkeit bis ich in Nessies Zimmer stand. Mein Blick viel auf das Bett und das kleine Kästchen auf dem Kissen. Mit zittrigen Händen griff ich danach, dann hörte ich wie die Tür hinter mir aufging. Als ich mich umdrehte blickte ich in Bellas Gesicht. Wenn sie nicht schon kalkweiß gewesen wäre, dann wäre sie es jetzt ganz sicher geworden.
Sie schlug die Hand vor dem Mund, als wäre sie zu tode erschrocken (welch Ironie bei einer Toten)

Ich saß gebückt auf dem Bett und sah sie an. Sagte nichts, war kaum in der Lage meinen Kopf zu heben und in ihre goldenen Augen zu sehen, die so voller Angst waren.
Dann viel ihr Blick auf den Gegenstand in meiner Hand.
Sie musste nicht fragen warum ich ihn in der Hand hatte und auch nicht für wen er bestimmt war.
Bella Cullen kniete sich vor mich und legte eine ihrer kalten Hände auf meine Wange.
„Jake..“, flüsterte sie.
Ich schloss die Augen, atmete zittrig aus und fühlte wie eine weitere Träne über mein Gesicht lief.
„Soll ich Carlisle anrufen?“, fragte sie besorgt. Ich schüttelte nur den Kopf.
„Aber Jake.. du siehst elend aus. Bitte -“
„Nein, Bella.“
Meine Worte waren kaum mehr als ein flüstern, aber ihren guten Ohren würde keine Silbe entgehen, dessen war ich mir bewusst.
„Kein Arzt der Welt kann mir helfen.“

Sie schluchzte leise. Ich wusste, dass sie sich mal wieder auch selbst Schuld zuschob, so wie sie es immer machte.
„Und Bella.“, begann ich. „Du trägst absolut keine Schuld.“
Sie sah mich ungläubig an.
„Bella wir haben uns damals alle entschieden ihr nichts von der Prägung zu sagen und das war richtig so. Ich wollte nie das sie sich dazu verpflichtet sieht für mich mehr zu empfinden, als sie von sich aus wollte. Ich will doch nur das sie Glücklich ist und wenn sie das auf diesem Wege ist, dann soll es so sein.“
Mit der freien Hand griff sie jetzt eine meiner Hände.
„Aber Jake.. du leidest.“
Ich seufzte. „Das spielt keine Rolle.“
„Jake-“
Ich unterbrach sie, in dem ich mich erhob und zur Tür ging.
„Kümmere dich um das Wohl deiner Tochter, Bella. Nicht um Meines.“
Dann wand ich mich von ihr ab, verließ den Raum und ging mit zittrigen Beinen zur Treppe, die hinunter in das Erdgeschoss führten.
Ich wollte einfach nur in mein Bett liegen und schlafen.
Unzählige Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und ich fühlte mich als würde mein Inneres von Salzsäure zerfressen werden, allem voran mein Herz.
Mein Blick wurde schwummrig, so dass sich nunmehr alles in mir auf meine Gedanken fixierte, die in meinem Kopf waren.
Nie hatte jemand erwähnt, dass ein geprägter Werwolf seine ausgewählte Person nicht für sich gewinnen konnte. Was würde passieren, jetzt da Nessie sich für jemand anderes entschieden hatte?
Zittrig trat ich auf die oberste Stufe.
Ich dachte eigentlich, dass es reichte sie glücklich zu sehen und das war sie doch auch mit diesem Kerl. Aber trotzdem zerfrass mich etwas.
Ich hielt es kaum einen Tag ohne sie aus.
Mir wurde schlagartig bewusst das es unmöglich für mich war für immer bei ihr zu sein, wenn sie ihren Weg nicht gemeinsam mit mir ging.
Und was würde dann mit mir passieren? Würde ich sterben?
Oder war ich gerade schon dabei zu sterben?
Ich konnte den Gedanken kaum zu Ende denken, da sah ich wie der Boden auf mich zukam, dann wurde meine Welt schwarz....

- Ende Kapitel 07 -

Kapitel 06 - "Wenn die Wut sich aufstaut... Und man seinem Unmut Luft macht"

"Jake..“, flüsterte ich fast heißer.
- Dann wurde ich von einem Rufen unterbrochen.
„Nessie!“
Alice kam angelaufen, sie schien etwas aufgeregt. Zügig robbte ich mich unter Jacob vor und stand auf. Ich wusste, dass ich nun totsicher knallrot angelaufen war. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich wischte meine Hände an meiner Hose ab. „W-was ist denn A-Alice?“
Mir fielen fast die Worte und ich drohte mich schon bei so einem kurzen Satz zu verhaspeln.
„David kommt dich in fünf Minuten und zweiunddreißig Sekunden besuchen.“ war ihre Antwort. Mir klappte der Mund auf. „Oh.“
Mehr bekam ich nicht heraus.
„Es wäre ungut wenn er dich mit einem gigantischen Wolf sieht.“, erklärte sie kurz und sachlich. „Ja.. sch-schon klar.“
Dann nahm sie mich bei der Hand und brachte mich zurück zur Villa, wo sie mir kurzdrauf einige frische Kleider gab. Kaum hatte ich diese in windeseile angezogen sprühte sie mich mit Pafrüm ein. „Alice bitte was soll das?“
„Du stinkst nach Hund, ich denke das entgeht auch einer menschlichen Nase nicht.“
„Ja aber nach Parfüm stinken ist auch nicht so toll.“
„Das stinkt nicht, das duftet.“
„Nein, es stinkt, Alice.“
„Du enttäuschst mich. Musst du in solchen Punkten unbedingt nach deiner Mutter kommen?“
„Was?“, fragte ich mit einem leicht bissigen Unterton. Sie verdrehte nur die Augen und schob mich dann zur Tür hinaus und die Treppe hinunter.
Dave saß bereits im Wohnzimmer auf dem weißen Sofa. Er wirkte beklemmt und unsicher, so dass mir nun ein vollkommen neues Bild geboten wurde.
„Hallo David.“, begrüßte ich ihn freundlich und ließ mich ihm gegenüber nieder.
Einen kurzen Moment konnte ich einen Anflug von Enttäuschung in seinem Gesicht entdecken, doch dann setzte er wieder sein Lächeln auf.
„Ich dachte ich statte dir mal einen Besuch ab.“
„Danke. Das ist wirklich lieb von dir, Dave. Es geht mir auch schon wieder recht gut.“
„Das merkt man. Du wirkst sehr zufrieden.“
Ich lächelte nur zurück und er ergriff wieder das Wort. „Ah Moment!“
Er griff in seine Tasche und kramte eine dunkelrote dünne Schachtel hervor die er mir reichte. Ein Blick auf die Oberseite verriet mir das es sich um Pralinen handelte.
„Schokolade.“, kommentierte ich.
„Ja.“ antwortete mit einem etwas eingeschüchterten Unterton. „Schokolade macht Glücklich.“
Ich nickte. „Ja Schokolade ist Futter für die Seele.“ Dann legte ich die Packung neben mich.
„Und gibt es was Neues in der Schule?“
„Ähm.“ Er schüttelte den Kopf „Nein nicht wirklich.. aber du Ren?“
Er sah mich fragend an und antwortete mit einem leisen „Mh?“
„Erinnerst du dich noch an den Flyer?“
Ich brauchte wirklich einen Moment um die Erinnerung an den rosaroten Flyer hervorzukramen, dann nickte ich.
„Und?“
„Und was?“ fragte ich.
„Wirst du mit mir hingehen?“
Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Irgendwas in mir schrie wieder Nein, doch ich sagte zu.
„Gerne.“
Jetzt zog sich ein Grinsen über sein Gesicht.
„Super!“, sagte er freudig, dann erhob er sich. „Ich hol dich dann pünktlich um acht zuhause ab.“
Ich nickte zustimmend und begleitete ihn zur Tür, wo er sich mit einem Kuss auf die Wange von mir verabschiedete. Ich ließ es zu und winkte ihm hinterher bis sein silberner Wagen nicht mehr zu sehen war. Danach ging ich mit den Pralinen hinauf in mein Zimmer und legte sie auf meinen Schreibtisch. Ich hatte nicht wirklich vor sie zu essen, aber wegschmeißen konnte ich sie auch nicht.
Müde strich ich mir übers Gesicht. Was war nur los mit mir?
Mochte ich Dave wirklich? Wenn ja, warum blockte ich ihn dann mehr oder weniger ab? Wenn nein, warum sagte ich es ihm dann nicht einfach? Und was war das mit Jacob auf der Wiese?
Ich hatte keine Antworten. Alle Fragen blieben unbeantwortet und ich hoffte bald welche zu finden.
Den Rest des Tages lenkte ich mich mit Schularbeiten und meinem Laptop ab.
Erst als meine Mutter mich zum Abendessen rief ging ich runter zum Essen. Wie immer saßen alle am Esstisch obwohl nur Jakes Platz und meiner gedeckt waren. Er saß bereits da und widmete sich einem der vielen Hamburger die neben ihm auf einem Tablett kunstvoll aufgetürmt waren. Ich war mir sicher, dass Gebilde würde in sich zusammenfallen wie ein Kartenhäusschen, wenn er den falschen Burger herausziehen würde.

Ich wurde nur kurz begrüßt als ich mich setzte, offensichtlich war meine Familie gerade in diverse Diskussionen vertieft, wobei man sich hier nicht auf Eins konzentrierte. Jeder redete über dem Tisch hinweg mit jedem. Hier war die Schule das Thema, dort das Krankenhaus, wieder andere redeten vom Arbeiten. Auch Pläne für zukünftige Jagdausflüge konnte ich vernehmen, aber so wirklich verstehen tat ich nichts davon und so widmete ich mich lieber meinem Essen. Teilweise hasste ich es ein halber Mensch zu sein, weil ich immer wieder feste Nahrung zu mir nehmen musste. Ich hatte einen anderen Stoffwechsel als richtige Vampire und während meine Familie tage oder wochenlang ohne Blut auskam, musste ich täglich etwas zu mir nehmen. Da ich aber weder jeden Tag jagen noch die Blutbank leertrinken konnte, war ich gezwungen menschliche Nahrung zu mir zu nehmen. Esme und meine Mutter bemühten sich zwar nach Kräften mir immer wieder etwas neues (für menschliche Verhältnisse) leckeres oder ausgefallenes zu kochen, aber trotzdem schmeckte mir das Essen nie wirklich.
Der einzige Trost war wieder mal Jacob. Ich musste immerhin nicht allein am Tisch sitzen.
Doch während er Hotdogs, Hamburger, Pizza und anderes fettiges Zeug in sich hineinstopfte (und doch nicht mal im Ansatz Fett ansetzte), war ich trotz allem immer darauf bedacht gewesen leichte Kost zu mir zu nehmen.
An diesem Abend schmeckte mir das Essen aber ganz und gar nicht und das obwohl ich es schon mehrfach gegessen und für annehmbar befunden hatte.
Grimmig erhob ich mich, stellte meinen Teller auf die Spüle und öffnete den Kühlschrank.
Meine Flasche war fast leer. Kaum zwei große Schlücke und es herrschte gähnende Leere in ihrem Innern.
Hoffnungsvoll sah ich zu Carlisle. „Carlisle?“
Ich wusste ich musste nicht mehr sagen. Mein Blick sprach Bände und die leere Flasche in meiner Rechten tat ihr übriges.
Er lächelte mich vom anderen Ende des Tisches an.
„Bitte“, fügte ich hinzu.
Er seufzte. „Das ist nicht ganz fair, wenn du so lieb bittest, wie kann ich dir da einen Wunsch abschlagen?“
Ich musste kichern, wurde aber von Jacob unterbrochen. „Moment mal!“, meldete er sich mit leicht wütendem Unterton zu Wort. „Hieß es nicht eine Flasche pro Woche?“
Jetzt wurde ich auch sauer und stämmte die Arme in die Hüften. „Die Woche ist bald zu Ende.“
„Ja und? Bald heisst nicht, dass sie es ist ausserdem könntest du dich auch am Riemen reissen und wenigstens versuchen die Flasche nicht aufzubrauchen und die Finger davon zu lassen, Nessie.“
Ich funkelte ihn finster an. „Meine Essgewohnheiten gehen dich nichts an, Jacob Black.“
„Oh doch. Ich muss dauernd zusehen wie du Menschenblut süffelst!“
Mit großen Schritten ging ich auf ihn zu. „Dann guck doch einfach weg!“
„Das ändert nichts daran, dass ich weiß das du es trinkst.“
Jetzt begann ich bald zu kochen und brüllte ihn lauthals an.
„Wenn du nicht damit klarkommst, dass ich nunmal zur Hälfte ein Vampir bin, dann verzieh dich doch einfach!“
Jetzt sah er mich entsetzt an, ganz so als hätte ich ihm mit einem Spaten ins Gesicht geschlagen (von meiner Mutter wusste ich das Fäuste eventuell nicht ausreichen würden).
Ich wusste nicht was ich noch sagen sollte und knallte die Flasche neben ihm auf den Tisch. „Carlisle..“, grummelte ich und sah dabei ins Leere. „Vergiss die Flasche!“
Dann stampfte ich wütend nach oben in mein Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu.

***

Als ich am morgen aufwachte, fühlte ich mich wieder steif wie ein Brett. Noch im Gähnen öffnete ich meine Tür, machte den ersten Schritt nach draußen – dann stolperte ich und fing mich gerade noch mit den Händen ab, ehe ich mit der Nase auf dem Flurboden landete.
Erst als meine nackten Füße etwas flauschiges berührten und ich mich letztlich umdrehte, erkannte ich das ich über den rostbraunen Riesen-Wolf geflogen war, der die Nacht anscheinend brav vor meiner Zimmertür verbracht hatte.
Ich hielt mich aber nicht damit auf, es in irgendeiner Weise fürsorglich zu finden.
Stattdessen begann ich wieder langsam innerlich zu kochen. Ich drehte mich auf den Rücken und tritt ihm mit meinen nackten Füßen einmal so fest in die Seite wie ich es schaffte.
Ich wusste, ich könnte ihm gar nicht ernsthaft wehtun, trotzdem winselte er auf.
„Tu nicht so, ich weiß genau das ich dir nicht wehgetan habe, du Fellberg!“

Dann erhob ich mich und stapfte in die Küche wo meine Mutter mir bereits ein Frühstücksei in der Pfanne bruzelte.
„Guten Morgen, Schatz.“ begrüßte sie mich wie immer freundlich ohne sich umzudrehen.
„Naja der Morgen ist alles andere als „gut“, Mum.“, grummelte ich zurück.
Lächelnd schob sie mir das Omelett auf den weißen Teller.
„Du solltest nicht so hart zu ihm sein, er nimmt sich das sehr zu Herzen.“
Ich verdrehte nur die Augen und nahm einen Bissen von meinem Ei. „Er nervt zur Zeit im wahrsten Sinne des Wortes tierisch!“
Sie seufzte. „Ich weiß was du meinst.“, antwortete sie verständnisvoll. „Aber er meint es nicht böse.“
Zügig nahm ich einige Gabeln hintereinander. „Mir ist es egal wie er es meint.“, gab ich zurück. „Er soll einfach aufhören so absolut nervig zu sein.“
Dann ging ich hinauf in mein Zimmer.

Als ich knapp zehn Minuten später mit meiner Schultasche wieder mein Zimmer verließ, stellte ich fest, dass Jacob noch immer vor meiner Tür lag. Er hatte sich nicht einen Zentimeter bewegt. Es fiel mir nicht gerade leicht und dennoch ignorierte ich ihn, stieg über ihn hinweg und lief die Treppe hinunter ohne ihn anzusehen.
Unten reichte mir meine Mutter mein Vesper. Ich nahm nicht immer was zu Trinken mit, aber nun war es einfach notwendig – um das Leben meiner Mitschüler wegen und um die Sicherheit meiner Familie und alle Geheimnisse die wir zu bewahren hatten.
Das was sich in meiner metallenen blickdichten Trinkflasche befand würde keine Kantine der Welt je verkaufen. Freudig nahm ich sie entgegen. Die ganze Flasche nur für heute – herrlich.
„Du weisst das du auch einfach noch eine Weile zuhause bleiben könntest, mein Kind“, erinnerte meine Mutter mich.
„Ich weiß, Mum. Aber ich halt es hier momentan einfach nicht aus. Ich brauche Abwechslung. Verstehst du?“
Sie setzte ein Lächeln auf. „Verstehe“
Ich nickte. „Danke.
Ich hab echt keine Ahnung wie du es den ganzen Tag zu Hause aushälst.“
Sie strich mir übers Haar. „Ach Schatz. Ich bin glücklich ein Teil dieser Familie sein zu dürfen und ich verstehe auch, dass das gerade alles für dich ein wenig viel ist.
Ich werde ja auch nicht immer zu Hause sein. Bald muss ich wieder nach Dartmouth. Aber noch ist es nicht so weit und du sollst wissen, dass du immer zu mir kommen kannst, ganz gleich was dich bedrückt.“
Sie küsste mich sanft auf die Stirn.
„Danke, Mommy.“, antwortete ich und umarmte sie herzlich.
Es dauerte einige Sekunden bis wir uns voneinander lösten und ich war mir fast sicher, wenn sie weinen könnte, hätte sie es jetzt getan – vor Freude. Ich spürte mit jeder Faser meines Körpers ihre Liebe und es viel mir schwer mein Zuhause jetzt so entschlossen zu verlassen, wie ich es noch vor wenigen Minuten hatte tun wollen.

Irgendwie schaffte ich es aber dann doch in mein Auto zu steigen und zur Schule zu fahren, wo ich mich mit meinen Mitschülern konfrontiert sah. Zu meiner Überraschung schien mein Vater alles derart gut hingebogen zu haben, dass ich nichtmal angestarrt wurde.
Einige kamen zwar zu mir und fragten wie es mir ginge und ob ich mich gut erholt hätte, aber sonst geschah nicht sonderlich viel.
Zu gern hätte ich gewusst was genau mein Vater meinen Mitschülern erzählt hatte, aber es wäre natürlich dumm von mir gewesen, wenn ich gefragt hätte.
Ich hoffte ich würde irgendwann selbst drauf kommen und eins und eins zusammenzählen können. Den ganzen Tag kam aber nichts zur Sprache, was ich hätte irgendwie als die Erzählung meines Vaters deuten können. Viel interessanter war in den Augen der jungen Leute hier die Party am Wochenende. Und da fiel mir dann wieder ein, dass ich David ja zugesagt hatte und geriet abermals ins Grübeln.
Ich wusste nicht was in meinem Innern vor sich ging. Ich wusste nichtmal ob das was ich da erlebte etwas war, was man generell in meinem – wohlbemerkt geistigen und naja nennen wir es mal „optischen“ - Alter erlebte oder ob dieses Durcheinander nur mir widerfuhr.
Als ich in der Cafeteria an meiner Flasche nippte fiel mir wieder ein, dass meine Mutter mal irgendwann erwähnt hatte, dass sie an ihrer Schule damals auch von fast allen männlichen Schülern umgarnt worden war. Aber auch jenseits der Schule war sie vom männlichen Werben nicht verschont gewesen. Jake war wohl auch in sie verliebt gewesen. Und was war mit mir?
Er konnte meine Mutter nicht haben, da diese sich für meinen Vater entschieden hatte, griff er jetzt einfach zu ihrer Tochter? Gab er sich mit „zweiter Hand“ zufrieden, weil er das Bessere nicht bekommen konnte? Oder mochte er mich um meinetwillen? Oder war es gar nicht die Liebe für die ich sie hielt und interpretierte sein Verhalten vollkommen falsch?
Aber moment.. was empfand ich eigentlich für ihn?
Ich war mit ihm aufgewachsen. Hatte mit ihm gespielt und gelernt. Als ich ein Baby war hatte er mich gefüttert, als ich heranwuchs war er mit mir Jagen gegangen. Er war immer für mich da gewesen. Er war mehr als ein Freund für mich. Aber war er wirklich so viel mehr?

„Ren!“
Mein Gedankengang wurde von einer bekannten Stimme unterbrochen. David.
Fragend sah ich ihn an.
„Was sitzt du hier denn so alleine rum?“, fragte er heiter.
Ich wusste nicht was ich antworten sollte und schwieg lieber.
Immernoch halb in Gedanken starrte ich an Dave vorbei. Am anderen Ende der Cafeteria blickte ich in das Gesicht meines Vaters.
Symbolisch packte ich meine Flasche wieder ein. Er sollte wissen, dass er mich nicht mehr länger bewachen musste. Ich würde schon zurecht kommen.
„Lass uns gehen, Dave“, sagte ich rasch, nahm seine Hand und verließ mit ihm den Raum. Ich spürte den Blick meines Vaters im Rücken und wieder regte ich mich auf, ständig von irgendwem bemuttert zu werden. Erst Jacob, jetzt mein Vater.
Gut, ich war vielleicht erst sieben, aber geistig und körperlich war ich schon viel weiter. Meistens kam ich mir vor, als wäre ich im Kopf sogar weiter als Jake, immerhin wühlte ich nicht nervös in anderer Leute Handschuhfächer herum.
Ich entschloss mich den Rest des Tages mit Hannah und Dave zu verbringen und meinem Aufpasser aus dem Weg zu gehen. Doch ich spürte seine Anwesenheit immer wieder.
Selbst wenn ich im Klassenraum saß fühlte ich mich beobachtet.

Nach der letzten Stunde stampfte ich zügig zu meinem Wagen und Dave folgte mir auf dem Fuß. „Ren.. Ren wo willst du denn so schnell hin?“
„Heim.“, antwortete ich bissig. „Ich muss etwas erledigen.“
„Aber Ren.“ Er verfolgte mich immernoch und hatte Mühe mit mir Schritt zu halten.
„Ich wollte doch noch was mit dir unternehmen heute.“
An der Autotür blieb ich stehen. Jake war nicht da.
„Es ist noch nicht Samstag“
Er seufzte. „Ich weiß, aber..“
„Also gut.“, antwortete ich. „Fahr mir hinterher.“
Sofort breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus und ich schloss die Autotür und fuhr los. Er würde schon nachkommen, da war ich mir sicher. Männer.

***

Im heimischen Hof stoppte ich mein Auto derart apruppt, dass ich den Motor fast abwürgte.
Innen steuerte ich zielsicher auf die Küche zu. Wie erwartet, traf ich hier fast alle auf einmal an. Meine Mutter und Esme lehnten an der Anrichte während Alice und Jasper gegenüber von Jacob am Tisch saßen. Jake war auf seiner Tischseite ganz alleine und hatte seinen Kopf auf den verschränkten Armen auf dem Tisch liegen. Er bewegte nur die Augen in meine Richtung, während alle Anderen ihren ganzen Kopf zu mir drehten.
Einen ganzen Moment lang sagte keiner etwas, dann wollte meine Mutter das Wort ergreifen.
„Schatz ist was -“
Ich unterbrach sie.
„Nein.“ antwortete ich fast schreiend auf die Frage, die ich sie nicht zu Ende hatte fragen lassen „Nein, Mutter es ist alles in Ordnung. Mit mir. Mit meinen Mitschülern.
Und genau aus diesem Grund ist es vollkommen überflüssig, dass ich von Vater permanent bewacht werde.“
Fragende und entsetzte Blicke waren auf mich gerichtet.
„Ich bin kein Kind mehr!“
Ich machte meinem Unmut Luft und schleuderte meine Tasche quer durch den Raum. Obwohl jeder dazu in der Lage gewesen wäre fing sie niemand auf und so knallte sie mit einem lauten Schlag gegen die geflieste Wand unter der Dunstabzugshaube.
„Das wissen wir doch.“, versuchte meine Mutter mich zu beruhigen.
Aber ihre Worte beruhigten mich nicht. „Unsinn. Warum vertraut ihr mir dann nicht?
Ich will doch einfach nur meine Leben leben.“
Ich hatte den Satz kaum beendet da hörte ich wie die Haustür aufging. Es war nicht Dave, denn schon spürte ich einen Luftzug und neben mir stand mit einem Mal mein Vater und musterte mich aufmerksam. „Was sollte das?“, fragte er ruhig.

Ich schloss die Augen. Unterdrückte den Drang die Küche zu zerhacken.
Dann öffnete ich sie wieder und starrte meine Familie rund um den Tisch mit großen Augen an. Ohne mich abzuwenden zeigte ich kurz auf meinen Vater zu meiner Linken.
„Da habt ihrs doch! Ich kann ja nichtmal nach Hause fahrn ohne das er gleich denkt es sei was passiert!“

„Im Grunde ist es das ja auch.“, antwortete mein Vater immernoch ruhig und beherrscht wie eh und je. „Renesmee wir wollen doch nur das du nichts tust was du später bereust. Es ist noch nicht lange her, da hättest du fast einen Mitschüler angefallen.“
„Mag sein.“, sagte ich. „Aber jetzt habe ich mich im Griff. Muss ich jetzt für den Rest meines Lebens unter Beobachtung stehen?
Daddy ich bin kein unberechenbarer Kampfhund!“
Vom Tisch hörte ich jetzt ein empörtes Schnauben auf der rechten Seite und wendete meinen Blick in die Richtung aus der es kam.
„Du kannst still sein, Jacob.“, ließ ich barsch verlauten. Im Bruchteil einer Sekunde später stand ich schon neben meiner Schultasche und hatte meine Flasche rausgezogen.
„Weisst du was das ist?“, fragte ich herausfordernd.
Er lächelte mich bitter an, sagte aber nichts. Als ich die Flasche zum Mund führte schüttelte er kaum merklich den Kopf.
Genüsslich nahm ich einen großen Schluck. „Ha.. lecker. Null Negativ. Einfach wundervoll.“
Ich schloss kurz die Augen und ließ den roten Saft meine Kehle hinab laufen, dann sah ich Jake wieder an. Seine Augen waren weit aufgerissen, er zitterte und seine Lippen bebten, aber es wirkte nicht so auf mich als müsste er sich beherrschen um sich nicht zu verwandeln, viel eher wirkte er auf mich wie jemand der kurz davor war zu weinen.
Mit einem Mal spürte ich einen Stich im Herzen. Als hätte jemand ein Fleischermesser durchgebohrt. Was tat ich hier eigentlich? Was um Himmels willen war in mich gefahren?
Ich wollte doch niemandem weh tun. Weder meiner Familie noch Jacob, der ja auch zu meiner Familie gehörte und jetzt fühlte ich mich wie der Teufel in Person.
Jetzt unsicher, ließ ich meinen Blick durch die Küche schweifen. Fast alle starrten mich entsetzt an. Meiner Mutter und Esme standen sogar die Münder offen.
Nun musste auch ich die Tränen unterdrücken. Zügig nahm ich meine Schultasche und stürmte an allen vorbei nach draußen.
Dort wartete schon David in seinem silbernen Wagen auf mich. Ich stieg ohne viel Worte ein und fuhr mit ihm davon...

- Ende Kapitel 06 -

Kapitel 05 - "Ein ganz neues Gefühl"

Nach diesem Vorfall hatte ich die meiste Zeit in meinem Zimmer verbracht. Ich hatte dabei starr geradeaus geschaut ohne zu sehen. Hatte alles ausgeblendet. Ich war einfach total mit den Nerven am Ende. So am Ende, dass ich alles los haben wollte. Ich wollte niemanden um mich. Ich wollte nichts Essen, nichts Trinken. Nichtmal Blut. Ich schämte mich so sehr für mein Verhalten, dass ich mich vor der Welt verstecken wollte.
Nur einen ließ ich an mich heran: Jacob.
Zum Glück war mein Zimmer geräumig, denn in diesen Stunden hatte ich das Gefühl etwas das mehr Tier als Mensch war würde meine Gefühle besser begreifen können. Ich weiß nicht warum ich das tat. Ich hatte irgendwo sogar die Befürchtung ich hätte ihn verletzt als ich ihn bat nicht in Menschengestalt in meine Nähe zu kommen, aber er war ohne Umschweife zu mir gekommen. Auf vier Pfoten.
Kurz nach den Geschehnissen war mein Vater nochmal in die Schule gegangen. Er wollte mit dem Rektor reden. Ich bekam nicht so recht mit, wie er es geschafft hatte mich aus der Sache heil herauszubekommen ohne das wir umziehen mussten oder dergleichen, aber es war mir auch egal. Ich schämte mich zu sehr um zu begreifen, dass die Sache für meine Familie schon abgeschlossen war.
Sie waren offenbar alle auf solche Vorkommnisse vorbereitet und fanden stets einen Weg. Ob es nun eine glaubwürdig aufgetischte Lüge oder eine ordentliche Geldsumme war, die die Sache letztlich in der Versenkung verschwinden ließ, ich denke ich würde es nicht erfahren, wenn ich danach fragen würde. Sie hatten mir nur erzählt, dass alles in Ordnung sei und das ich die nächsten Tage zu Hause bleiben durfte.
Und meine freie Zeit verbrachte ich nun auf meinem Bett. Jacob lag neben meinem Bett auf dem Boden. Er war so groß, dass er mühelos seinen großen Kopf auf mein Kissen legen konnte. Auf einem Kissen daneben lag wiederum ich und streichelte das rostrote Fell.
Die meiste Zeit hatte er die Augen geschlossen und brummte. Dieses Geräusch wirkte für mich wie ein beruhigendes Mantra und abends brummte er mich auf diese Art in einen seligen Schlaf.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte lag er immernoch in der selben Pose neben mir. Es schien als hätte er sich nie auch nur einen Zentimeter von mir entfernt. Kein Wunder das meine Träume alles andere als schrecklich gewesen waren.
Ein Klopfen an meiner Zimmertür ließ mich aufhorchen. „Ja?“
„Renesmee Schatz, ich bringe dir ein kleines Frühstück“ Es war die Stimme meiner Mutter hinter der Tür.
„Du kannst ruhig reinkommen Mum“, antwortete ich ruhig.
Mit einem sanften Lächeln öffnete meine wunderschöne Mutter die Tür. In ihren Händen hielt sie ein gläsernes Tablett. Elegant schwebte sie durch mein Zimmer auf mich zu, stellte mir, jetzt da ich mich aufgesetzt, hatte das Tablett aufs Bett direkt über meinen Oberschenkeln und setzte sich an die Bettkante auf der gegenüberliegenden Seite von Jake, der immernoch den Kopf mit geschlossenen Augen auf meinem Bett liegen hatte.
Freudig musterte ich mein Frühstück. Neben Brötchen und Nuss-Nougat-Creme hatte ich auch etwas Wurst, ein gekochtes Ei, Käse, Saft und sogar ein Tässchen Blut auf meinem Tablett.
Zielsicher griff ich nach der Tasse. Ich wollte gerade einen Schluck nehmen da vernahm ich ein tiefes unzufriedenes Brummen von Rechts.
Ich wand meinen Blick mit einer erhobenen Augenbraue rüber zu Jake. Der rostrote Wolf sah mich jetzt missmutig an. Ich brauchte seine Stimme gar nicht hören um zu wissen was er mir sagen wollte.
Nessie stell doch das eklige Zeug weg und ess was richtiges das kann man ja nicht mitansehen...

Ich musste kichern. „Okay okay.. ist ja schon gut“
Ich stellte meine Tasse wieder an ihren Platz, griff zum Orangensaft, trank einen kräftigen Zug davon und griff dann zur Wurst die ich Jake hinhob.
Jetzt da er so lustig mit dem Schwanz wedelte musste ich gleich noch mehr lachen.
„Du hast mir übrigens immernoch nicht erklärt wie das mit dem Schwanz wedeln ist, Jake“
Ein heiteres aufforderndes Bellen, dass sicher im ganzen Haus deutlich vernommen werden konnte kam aus seiner Schnauze. Jetzt gib schon her!
Jetzt musste sogar meine Mutter lachen. „Ich hab ja schon mal gesagt ich hätte gern einen Hund gehabt. Du hast jetzt einen ziemlich großen Renesmee“
„Ich könnte mir keinen besseren vorstellen“, antwortete ich freudig. Jake tapste einige Schritte zurück bis sein Schwanz nun gegen mein Bücherregal wedelte, dann warf ich ihm die Wurst zu und er fing sie auf.
Ich liebte dieses Spiel und obwohl ich nicht wusste ob Hunde eigentlich auch Käse mochten, warf ich ihm den auch noch zu und er verschlang ihn ohne zu kauen. Sogar das Ei wurde nicht verschmäht. Als ich dann einen Bissen von meinem geschmierten Brötchen nahm kam wieder ein auffordernder Laut von Jake. Er hatte sich jetzt auf die Vorderbeine gebeugt, so dass sein Rumpf fast auf dem Boden lag wohingegen sein Hintern in die Höhe ragte und sein Schwanzwedeln noch mehr zur Geltung kam. Es war eine überdeutliche Aufforderung zum Spiel die ich gerne an nahm.
Zügig stellte ich mein Tablett auf und gab dabei acht, dass die Blut-Tasse stehen blieb, dann hüpfte ich mit einem ordentlichen Satz vom Bett Jake entgegen und kraulte ihn überschwänglich am Kopf.
Mit einem Mal drehte er sich auf den Rücken – ich sollte seinen Bauch kraulen und tat es auch ohne zögern.
„Also Jake manchmal bist du mehr Hund als Mensch“, kam es gespielt empört von meiner Mutter, die noch immer grinsend auf dem Bett saß. Jake antwortete mit einem heiteren Bellen. Ist mir doch egal

Ich hatte mich gerade über ihn gebeugt, da drehte er sich um und stellte sich wieder auf. Ich konnte gar nicht so schnell gucken da lag ich schon auf seinem großen Rücken und hatte die Arme um seinen großen Hals geschlungen. „Jake... wa-“
Die Frage konnte ich nicht zu Ende stellen, da flitzte er mit mir die Treppe hinunter und rannte mit mir einmal durch die Küche und das Wohnzimmer. Als wie in der Eingangshalle waren öffnete Esme rasch die Tür und ich wurde von dem großen Wolf nach draußen entführt.

Wir wohnten weitab von den anderen Bewohnern dieser Stadt, so dass Jacob eine ganze Weile ungehindert mit mir über Stock und Stein rennen konnte. Und ich genoss es. Ich genoss die Freiheit, den Wind in den Haaren. Ich fühlte mich als seien Ketten von mir gelöst worden, die mich seit geraumer Zeit gefangen gehalten hatten. Ein unglaubliches Gefühl von Sorglosigkeit umkam mich. So hatte ich mich seit langer Zeit nicht mehr gefühlt und obwohl meine „Kindheit“ nicht soweit weg lag, kam es mir vor als hätte ich wirklich vor mindestens 10 Jahren zuletzt so ausgelassen die Zeit mit Jake verbracht und einfach nur Unsinn gemacht.
Diese Gabe die Leute um sich herum von Schatten, Ketten, Sorgen und Ängsten zu befreien, hatte nur Jake. Schon meine Mutter hatte mir einst davon erzählt. Sie erzählte nur spärlich über die Zeit vor meiner Geburt und selten Details, aber das Jake sie aus einem tiefen Loch gezogen hatte, hatte sie mir erzählt. Wäre er nicht gewesen, wären meine Eltern tot und ich nie geboren worden.

Und wer weiß.. vielleicht wäre ich ohne Jake nie soweit gekommen. Es war nicht leicht damit zurechtzukommen das man so dermaßen anders war als all die Anderen. Ich konnte nie mit anderen Kindern spielen, ich hatte kaum Menschen kennegelernt. Meine Welt bestand nur aus meiner Familie. Und mein einziger Spielkamerad war Jake gewesen. Und ich wusste, er würde immer für mich da sein, solange ich lebte.

Ich wurde erst aus meinen Gedanken gerissen, als Jake in einer Wiese abrupt stehen blieb, so dass ich vornüber viel und im Gras landete. Auf dem Rücken liegend kicherte ich und sah nun hinauf ins helle Sonnenlicht. Ich liebte das Sonnenlicht, was mir als Halbvampir im Grunde mehr oder weniger vergönnt war. Ich konnte zwar auch dann hinaus, wenn sie schien, aber wirklich wohl fühlte ich mich dabei nie, weil ich stets Angst hatte, dass die Leute ahnten das ich eigentlich kein wirklicher Mensch war. Doch nun genoss ich sie und freute mich das sie da war.
Dann wurde das Licht plötzlich von Jakes großem Wolfskopf verdeckt. Seine Nase war kaum merklich von meinem Gesicht entfernt. Ich verstummte.
Er gab keinen Ton von sich und legte sich vorsichtig nieder. Mit seinen großen Pfoten die Links und Rechts von mir lagten stützte er sich etwas vom Boden ab um mich nicht mit seinem Körpergewicht zu belasten. So leicht über mir schwebend sah er mir unverwand ins Gesicht und ich hatte eindeutig nicht das Gefühl, dass sich hier ein Hund über mich gebeugt hatte.

Ich hielt fast den Atem an so gebannt war ich von diesem Augenblick. Ich versank fast in seinen Augen. Pechschwarz und unendlich vertraut. Ein merkwürdiges Gefühl überkam mich. Es fühlte sich heiß und kalt zur gleichen Zeit an, wie Gänsehaut gepaart mit Schmetterlingen und vollkommen neu.


- Ende Kapitel 05 -

Kapitel 04 - "Blutdurst"

Am nächsten Morgen saß ich gerade noch leicht schläfrig am Küchentisch während Rose versuchte mir Details über den gestrigen Abend zu entlocken.
„Und über was habt ihr so geredet?“
Ich schmierte mir derweil gelangweilt die Nuss-Nougat-Creme auf mein Brot. „Nichts besonderes Schule und so.“
„Ah.. und sonst?“
„Was“, fragte ich mit vollem Mund.
„Hat er dich geküsst?“
Prompt verschluckte ich mich an meinem Brot und musste husten.
Rosalie schob mir ein Glas Wasser zu. „Hier“
„Danke“ Immernoch hustend trank ich es in einem Zug leer, als Jake mit einem Mal hereinkam und sich zu uns an den Tisch setzte.
Er sagte nur rasch „Morgen“ dann machte er sich schon an der Wurst zu schaffen.

Ich beobachtete ihn nur wenige Sekunden da meldete sich Rosalie wieder zu Wort.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet, Nessie“
Kurz starrte ich sie an dann sah ich wieder zu Jake der jetzt fleissig am kauen war, allerdings scheinbar an die gegenüberliegende Wand starrte anstatt mich oder Rose anzusehen.
„Nessie...“ Rose schien genervt.

„Nein“, antwortete ich leise aber bestimmt. „Nein, wir haben uns nicht geküsst“
Ich hätte schwören können, dass ich Jake im Augenwinkeln ganz kurz hatte leicht lächeln sehen, doch Rose verlangte wieder nach meiner Aufmerksamkeit.
„Was? Das ist aber ein lasches erstes Date“

Er hatte gerademal eine Scheibe Brot und ein bisschen Wurst gegessen da erhob sich Jake schon wieder. „Ach komm Blondie, sie muss sich ja nicht gleich jedem Kerl an den Hals schmeissen“
Er hatte einen sauren Unterton und schritt dann zügig aus dem Zimmer. Wo er hinging konnte ich nicht genau sagen, vielleicht wieder in den Keller.

Rose sagte nichts mehr und auch sonst vermied ich es mit irgendwem nochmal über mein Date zu reden. Als ich am Montag in der Schule war, beschränkte ich mich bei Hannah auf das Mindeste an Information. Das das Date nett war, das er sympathisch war und das Restaurant totschick und das er mich nach Hause gefahren hatte.
Sie kommentierte es nur mit einem einfachen „super“, dann begann sie wieder sich über Lehrer, Mitschüler und Hausaufgaben aufzuregen.
Ich war heilfroh, dass Dave die ersten Kurse nicht mit mir hatte und das ich schon saß als er letztlich zur Tür hereinkam. Ich hatte keine Ahnung wie ich ihn begrüßen sollte.
Er nahm mir die Entscheidung ab und gab mir zur Begrüßung einen kurzen Kuss auf die Wange. „Na Ren, hast du einen schönen Sonntag gehabt?“
Ich nickte. „Ja war okay“

Die ganze Woche über unterhielten wir uns mehr oder weniger über belanglose Dinge und lachten auch das ein oder andere Mal zusammen.
Jake holte mich nachwievor jeden Tag von der Schule ab, sagte aber selten viel. Meistens fragte er nur wie der Tag war, ansonsten war die Stimmung zwischen uns ziemlich trüb und es störte mich immer und immer mehr.
Ich hatte mich immer so wohl bei ihm gefühlt und nun machte er alles kaputt und spielte die beleidigte Leberwurst weil es jenseits meiner Verwandten noch andere Kerle ausser ihm gab die ich mochte.

Als wir am Donnerstag nach Hause fuhren, brachte ich es endlich über mich während der Fahrt zu reden. „Du brauchst mich morgen nicht abzuholen, Jacob“
Ich starrte auf die Straße während ich das sagte, aber ich spürte seinen fragenden und traurigen Blick auf mir. „Was? Wieso das denn?“
Ich brauchte einen Moment um zu antworten.
„Das spielt keine Rolle. Du musst nicht alles wissen. Bleib einfach zu Hause.“
Er sagte nichts mehr sondern sah vortan nur noch aus dem Fenster und ich spürte einen Schmerz in mir, den ich einfach zu ignorieren versuchte.

Zuhause stürzte ich mich in Schularbeiten und verbrachte die meiste Zeit in meinem Zimmer.
Irgendwann gegen Abend packte ich seufzend meine Bücher in die Tasche und ging nach unten in die Küche.
Rose, Esme und meine Eltern saßen am Tisch. Offenbar waren sie verstummt als sie mich kommen hörten.
„Ihr könnt ruhig weiter reden. Ich interessiere mich normalerweise nicht für eure Gesprächsthemen“, sagte ich genervt als ich zum Kühlschrank lief und die Tür grob aufriss.
„Nein, ist schon in Ordnung, Schatz. Es war nichts wichtiges“, sagte meine Mutter lieblich wie immer. „Und auch wenn du zur Zeit etwas angespannt bist brauchst du die Kühlschranktür nicht herausreissen“
Ich lächelte kurz dann musterte ich den Inhalt unseres Kühlschranks und stellte verblüfft fest, das meine rote Flasche genau dort stand wo ich sie vor Tagen hingestellt hatte. Ganz vorne direkt an der Tür im Getränkefach. Argwöhnisch betrachtete ich jetzt kurz den Rest der vom Licht des Kühlschrank beleuchtet wurde.
Fragend drehte ich mich um. „Habt ihr wieder eingekauft?“
Alle schüttelten den Kopf. „Nein“, antwortete Esme.
Ich hob eine Augenbraue. „Aber der Kühlschrank ist doch voll. Wann habt ihr zuletzt eingekauft?“
„Irgendwann Anfang der Woche“
Wieder war es Esme die mir antwortete.
Am liebsten hätte ich mich nun selbst geohrfeigt das ich die ganze Woche lang nicht mal gemerkt hatte, dass der Kühlschrank sich nicht mal im Ansatz leerte und das obwohl ich regelmäßig eine Kleinigkeit zum Essen oder meine Flasche herausnahm.
Ich merkte wie ich jetzt langsam nervös wurde.
„War Jake diese Woche schon jagen?“
Wieder nur Kopfschütteln.
„Okay“
Entschlossen knallte ich meine Flasche auf den Tisch und schritt schnurstracks aus der Küche und die Kellertreppe hinunter. Diesmal blieb ich nicht vor der Tür stehen, hätte ich keine Lust gehabt unsere Einrichtung heil zu lassen, ich war mir sicher ich hätte einfach durch die Tür laufen können so geladen war ich.
Und als ich so da in sein Zimmer marschierte drehte er sich einmal auf dem Schreibtischstuhl herum bis er in meine Richtung sah.
„Nessie? Was ist los? Ist was passiert?“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Kann man so sagen“
Er sah mich fragend an. „Ja und was?“
Blitzschnell fegte ich auf ihn zu bis mein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt war und er mich verwundert anblinzelte.
„Der Kühlschrank ist voll!“

Er sagte nichts sondern starrte mich nur einfach an und ich zog mich wieder zurück und setzte mich auf sein Bett, das natürlich wie immer nicht gemacht war.
„Wann hast du das Letzte mal was gegessen?“
„Was?“
„Du hast meine Frage schon verstanden“
„Was gehen dich meine Essgewohnheiten an?“
Traurig sah ich ihn an. Ich musste aufpassen nicht zu weinen.
„Viel wenn ich das Gefühl habe der Grund für deine Appetitlosigkeit zu sein“
Zunächst schwieg er, dann schüttelte er langsam den Kopf.
„Unsinn“
„Du lügst“
„Ach Quatsch“, jetzt klang er genervt. „Warum sollte ich lügen? Ich esse wenn ich Hunger habe und momentan hab ich eben nicht sonderlich viel Hunger“
Ich sah ihn immer noch besorgt an. Diese Antwort genügte mir nicht.
„Ach Nessie“
Langsam ging er auf mich zu, kniete sich vor mich hin und nahm meinen Kopf in seine großen warmen Hände. „Hey.. mach dir keine Sorgen um mich“ Er küsste mich vorsichtig auf die Stirn. „Ich komm schon klar“ Dann ging er aus dem Zimmer.
Als ich zehn Minuten später wieder nach oben ging war er nirgends mehr....

***

Am nächsten Tag im Kunstunterricht pinselte ich besonders eifrig letzte Details auf meine Skulptur. Der Wolf war jetzt fast fertig und ich war sehr zufrieden mit ihm.
Das rostrote Fell, die schwarzen schönen Augen, der Körperbau – alles stimmte.
Ich bekam sogar ein wohliges Gefühl wenn ich den Mini-Wolf ansah.

„Hallo Schönheit“
Es war Dave´s Stimme doch ich war so in meine Figur vertieft, dass ich nichtmal aufsah. Da schob er einen rosaroten Flyer in mein Sichtfeld.
Bei genauerem Hinsehen erkannte ich das er weiß mit mehreren rosanen Herzchen war.
„Was ist das?“
Er lächelte. „Nächste Woche Samstag ist eine Art Valentinsparty im Just4you und ich dachte wir könnten da ja zusammen hingehen“
„Samstag?“, fragte ich. „Samstag ist aber der Sechzehnte. Valentinstag ist am Vierzehnten“
„Das ist mir schon klar“, antwortete er keck. „Aber Donnerstags gehen viele nicht aus daher wurde es auf Samstag verlegt“
Ich nickte geistesabwesend. Sollte ich wirklich zusagen?
Sein bettelnder Blick beantwortete meine Frage.
„Okay meinetwegen“
Jetzt stämmte er eine Hand in die Hüfte und lehnte sich mit der anderen auf meinen Tisch. „Du sprühst ja vor Begeisterung“
Ich wollte ihm nicht wehtun und verhaspelte mich beim antworten etwas. „Ich hab.. ich meine es ist.. es bist nicht du. Ich hab nur Probleme. Muss viel nachdenken.. familiäre Probleme.. ja genau“ Ich seufzte und pinselte vorsichtig mit einem etwas dunkleren Grau über das kleine schwarze Wolfsauge um ihm ein etwas tieferes Aussehen zu verleihen.

Mit einem Mal zog David meine Skulptur weg, so dass ich leicht abrutschte und ein zarter grauer Strich sich nun vom Auge bis hin zur Nasenspitze meines Wölfchens zog.
Gelangweilt musterte er mein Werk und drehte es in der Hand.
„Merkst du eigentlich das du das Ding ansiehst als wäre es aus purem Gold?“
Ich wurde wütend. „Bist du noch ganz dicht? Die Farbe ist nicht trocken, gib ihn wieder her!“
Jetzt lachte er. Es war in meinen Ohren kein freundliches Lachen.
„Du kannst ja sogar richtig sauer werden. Süß“
Ohne es richtig kontrollieren zu können entfuhr mir ein tiefes leises knurren und Hannah zu meiner Rechten sah mich perplex an.
„Stell. Ihn. Wieder. Hin.“
Er grinste immernoch. Es schien ein Spiel für ihn zu sein. Eines das mir absolut keinen Spaß machte.
„Ach jetzt reg dich doch nicht so auf, es ist doch nur ein bisschen Dreck, Wasser und Farbe, Ren“
Mit ordentlich schwung pfefferte ich ihn meinen Pinsel entgegen, so dass das Holz derart fest gegen seine Schläfe knallte, dass er an einer Stelle etwas blutete. Das vereinfachte meine Situation nicht gerade aber ich konnte von Glück sagen, dass ich ihm meinen Pinsel nicht durchs Hirn gebohrt hatte.
„Au“, schrie er laut, fasste sich an den Kopf und ließ in diesem Moment meine Figur los, die nun ungehindert auf den Boden zuraste.
Nein!
Blitzschnell bückte ich mich, huschte unter dem Tisch durch und fing meinen kleinen Wolf auf.
Es war mir egal ob mich alle gesehen hatten. Mir war nur wichtig das er nicht zerbrach.
Blut von seiner Schläfe tröpfelte herab und landete am Ohr meiner Skulptur. Ich wischte es schnell mit dem Finger weg, ehe es dort fest trocknen konnte.
Jetzt hatte ich aber dummerweise den roten Saft auf meinem Zeigefinger und sah gebannt darauf. Der Duft kam mir in die Nase, stieg empor in mein Gehirn. Weckte meine Instinkte. Es roch gut. Ich wusste es war dumm und absolut falsch. Ich wusste ich könnte in diesem Moment alles zerstören, was meine Familie sich hier aufgebaut hatte. Mehr noch, ich könnte noch weit mehr zerstören, so dass nicht mal ein Umzug half.
Und dennoch hob ich meinen Finger, schmeckte den Tropfen auf ihm. Ich wünschte ich hätte gestern noch was aus meiner Flasche getrunken. Aber nachdem ich mit Jake geredet hatte, hatte ich das total vergessen und nun saß ich hier. Mitten im Kunstsaal auf dem Boden, mit einer bekleckerten Wolfsskulptur in der Hand und leckte mir das Blut eines Mitschülers vom Finger. Ich spürte die Blicke auf mir, sie bohrten sich förmlich in mich hinein.
Ich hatte immer gefürchtet das meine Vampir-Instinkte mal mit mir durchgehen würden.
Ich kniff die Augen zusammen. Betete das ich mich wieder beruhigen konnte. Ich wollte unsere Zukunft nicht zerstören und noch weniger wollte ich jemanden verletzen oder gar töten.
Nein.. bitte.. Daddy hilf mir...
Ich betete das er seinen Kurs gegenüber unserer Kunstsaals noch hatte und tatsächlich: plötzlich ging die Tür auf, mein Vater lief gezielt auf mich zu, nahm mich am Arm und zog mich auf die Füße. Die Blicke meiner Mitschüler nahm ich nur verschwommen war, ich spürte nur das wilde Pochen meines Herzens, mein wallendes Blut und den Drang mich in einen von ihnen hineinzukrallen.
„Keine Sorge“, sagte mein Vater mit einem leicht nervösen Unterton. „Ihr geht es gut. Sie kann nur nicht so gut mit Blut umgehen. Posttraumatisches Erlebnis.
Bitte bringt euren Mitschüler zu einem Arzt.“
Die ganze Zeit starrte ich geradeaus und doch war ich blind. Mein Vater zog mich zügig aber gerade noch so in menschlichem Tempo durch die Gänge. Da der Unterricht noch nicht beendet war, war glücklicherweise nicht viel los.
Er sagte nichts, aber ich spürte seine Anspannung. Rasch öffnete er die Beifahrertür seines Wagens, nahm mir die Skulptur aus der Hand, legte sie ins Handschuhfach und setzte mich dann auf den Stuhl, wo er mich anschnallte.

Er fuhr etwas schneller als normalerweise. Die Bäume zogen an mir vorbei und doch sah ich sie nicht. Noch immer konnte ich nicht richtig denken.
Ich merkte kaum wie wir hielten und wie er mich ins Haus brachte.

„Edward was ist passiert?“
Meine Mutter kam blitzschnell in die Eingangshalle und Esme trat aus der Küche.
„Esme bitte hol Renesmee eine Tasse“, sprach er immernoch angespannt, dann zog er mich ins Wohnzimmer und ich setzte mich aufs Sofa.
„Edward?“, fragte meine Mutter erneut.
„Ein Zwischenfall. Ein Schüler hat geblutet, sie hat das Blut auf den Finger bekommen“
Ich hörte einen kleinen entsetzen Schrei von meiner Mutter.
Ich hörte aufgeregte Schritte. Esme kam herein und reichte mir eine volle Tasse Blut die ich zügig leerte. Ich hob sie ihr direkt wieder hin. „Bitte noch eine“
Sie lächelte, nickte und schwebte wieder in die Küche.
Ich trank noch gut fünf Tassen bevor ich in der Lage war überhaupt richtig zu sprechen. Ich nippte gerade an meiner Sechsten als Jacob mit aufgelöstem Blick ins Wohnzimmer gespurtet kam. „Was ist denn los?“
Er starrte mich entsetzt an, wie ich da saß und an meiner Bluttasse nippte. Ich musste für ihn furchtbar aussehen.
Wieder erläuterte Edward kurz ohne Details zu nennen. Nach der achten Tasse setzte Jake sich vorsichtig neben mich.
Mein Vater sah mich durchdringend an. „Was ist denn los mit dir, Nessie? Du bist doch sonst nicht so leichtsinnig“
Ich rang um Fassung und suchte passende Worte, aber ich fand keine und die Fassung war auch bald flöten gegangen, bis ich nur noch schluchzte.
„Es tut mir Leid.. ich.. ich weiß nicht, die Schule, David... die Dinge hier.. ich.. es ist gerade einfach zuviel“
Schließlich liefen mir warme salzige Tränen übers Gesicht. Jacob nahm mich in den Arm und ich drückte mich bereitwillig an seine warme Brust, die meine Tränen trocknete.
Ich fühlte mich gut und sicher. Nach kurzer Zeit schon flossen keine Tränen mehr.
Beruhigend streichelte er mir über den Rücken und gab mir einen Kuss aufs Haar.
„Sch.. sch“


- Ende Kapitel 04 -



Kapitel 03 - "Mein erstes Date"

Als ich in Alices Zimmer auf dem ledernen Stuhl saß, glaubte ich ich müsste mindestens drei Tage warten, ehe sie aus den Massen an Klamotten die sie da hatte etwas Passendes für mich gefunden hatte. Offenbar hatte Alice aber schon eine derart genaue Vorstellung von ihrem „Endergebnis“ - einer rausgeputzten Version von mir – das sie es schaffte binnen weniger Minuten alles Nötige zusammen zu suchen.
Ich konnte jede Menge Kosmetika sehen von zig verschiedenen Eyelinern über ein Sammelsurium von Lidschatten bis hin zu diversem Schmuck, Haarstyling-Accessoires und natürlich meinen eigentlichen Klamotten.
Knapp eine Stunde vor Acht war sie endlich zufrieden mit meinem Aussehen und ich konnte es kaum abwarten mich im Spiegel zu betrachten, obwohl ich mir irgendwie blöd vorkam. Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt total aufgetackelt zu meinem ersten Date zu gehen.
Ich musste zweimal hinschauen ehe ich erkannte das ich das hübsche Mädchen im Spiegel war. Gut ich war mit dem Wissen aufgewachsen aussergewöhnlich schön zu sein, aber das hier übertraf das alles nocheinmal. Alice war eine wahre Künstlerin was das anging.
Meine Locken waren verschwunden, stattdessen sah ich langes fließendes bronzefarbenes Haar , welches sich nur an den Spitzen kunstvoll kräuselte. Meine Augen hatte sie perfekt betont und meine helle Hautfarbe war nicht mehr ganz so blass, sondern besaß nun geschickte Akzente an genau den passenden Stellen. Alles in allem war mein Make-up zwar gut sichtbar, jedoch nicht zu aufdringlich.
Dazu hatte sie mir ein schönes hellblaues Satin-Kleid verpasst, dass wunderbar zu meinen Haaren passte. Es war zwar nicht so extrem eng anliegend umspielte jedoch perfekt meinen Körper. An den Füßen trug ich silberne Schuhe mit leichten Absätzen.
„Und?“ Alice wartete offenbar auf eine hörbare Reaktion. Bisher hatte ich mich nur stumm im Spiegel betrachtet.
„Ähm.. Wow.. Alice du bist Wunderbar. Das ist einfach traumhaft“
Alice strahlte. „Wirklich? Oh ich wusste doch das es dir gefallen würde. Der Kerl kann dir jetzt gar nicht mehr widerstehen“
Ich versuchte mein Lächeln aufrecht zu halten. Wollte ich das überhaupt?
„Na komm lass uns runter gehen“
Ich nickte zaghaft.
Zusammen mit Alice ging ich dann wieder runter ins Wohnzimmer wo meine Familie schon gespannt gewartet hatte. Sofort verrieten mir ihre Blicke, dass sie alle genauso begeistert von meinem Outfit waren wie ich es war.
Nur Jacob lehtne an der Wand und starrte grimmig zu Boden.
Ich hatte kaum Zeit ihn ordentlich anzuschauen, da stand schon meine Mutter vor mir und reichte mir eine kleine silberne Tasche.
„Hier“, sagte sie sanft. „Da ist alles drin was Frau so für ein Date braucht“
„Danke“, antwortete ich. Ich empfand keine große Lust rauszufinden was sie mir ausser Taschentüchern noch so alles eingepackt hatte und ließ das Täschchen lieber zu.
Ein Blick auf unsere große Uhr verriet mir, dass es nur noch knapp eine halbe Stunde bis Acht war.
„Es ist wohl soweit“ Mein Vater sah sehr zuversichtlich aus.
„Ja, ich werde dann mal gehen. Wünscht mir Glück“
Rosalie umarmte mich kurz. „Unsinn, ein hübsches Ding wie du hat kein Glück nötig. Der Einzige der Glück hat ist der Kerl“
Da musste ich kichern. „Danke“
Langsam und schon etwas nervös schritt ich zur Tür, die Blicke meiner Familie im Rücken.
Ich dachte sie würden nun nichts mehr sagen, da vernahm ich eine mir so bekannte raue Stimme. „Warte. Ich fahre dich“
Ich nickte, drehte mich aber nicht um und lief zur Tür hinaus.
Auch als ich ins Auto stieg und während der Fahrt wagte ich es nicht ihn anzuschauen.
Als wir letztlich beim Schulgelände hielten, brach er die Stille.
„Du siehst wunderschön aus“
Vorsichtig warf ich ihm einen Blick zu. Es war dunkel, die wenigen Straßenlaternen hier erhellten den Wagen kaum und ich konnte nicht so richtig den Ausdruck in seinem Gesicht erkennen. Ich spürte jedoch, dass er sehr bedrückt war.
„Danke, Jake“
Ich stieg aus dem Auto und schloss die Tür hinter mir. Er sah mir noch kurz nach, dann fuhr er wortlos davon.
Unsicher schritt ich über das Pflaster. Meine Schuhe machten bei jedem Schritt ein klackernedes Geräusch und schon bald erkannte ich am Eingang unserer Schule eine Silhouette. Bei genauerem Hinsehen sah ich, dass es Dave war, der lächelnd auf der untersten Stufe stand. Die Hände hatte er hinter dem Rücken versteckt.
Als ich näher kam verwandelte sich sein Lächeln zu einem erstaunten Gesichtsausdruck.
„Wow. Ren du siehst atemberaubend aus“
Ich merkte wie ich leicht rot wurde, obwohl ich das heute schon mehrfach gesagt bekommen hatte. „Danke“
„Nichts zu danken“, antwortete er und reichte mir den Strauß Blumen den er hinter dem Rücken versteckt hatte. „Bitte sehr schöne Frau“
„Gelbe Rosen?“
Er grinste. „Jap. Ich dachte Rote wären dir vielleicht unangenehm, also hab ich mich für gelb entschieden“
Ich lächelte nur und war froh, dass er so entschieden hatte.
„Na dann“
Strahlend reichte er mir seinen Arm zum einhaken, dann gingen wir zusammen ein paar Minuten durch die Stadt.
Es war relativ wenig los, dafür das es Samstagabend war. Ich sah nur wenige Jugendliche und ein paar Ältere unseren Weg kreuzen.
„Ist es hier immer so leer?“
„Samstags schon. Vor einigen Wochen hat hier im Ort eine Disco aufgemacht. Die Erste seit Jahren. Die Letzte ist vor langer Zeit abgebrannt. Brandstiftung. Sie nennt sich „Just4You“ und ist gerade der angesagteste Ort hier. Naja eigentlich hat es hier nie wirklich viel gegeben was man als junger Mensch hier machen kann und den Meisten kam diese Disco ganz gelegen...
So da wären wir“
Wie blieben vor einem kleinen weißen Gebäude stehen. Es hatte schnörkelige Verzierungen an den Wänden und eine Treppe aus glattem schwarzen Mamor.
„Hier? Bist du verrückt, das ist doch sicher sauteuer“
Er lachte. „Ach was. Für eine besondere Frau wie dich nur das Beste“
Ich wusste nicht mehr was ich noch sagen sollte und ließ mich nun in das noble Restaurant führen. Sofort wurden wir Willkommen geheißen, unsere Jacken wurden uns abgenommen und wir wurden zu einem Zweier-Tisch in einem ruhigen Eckchen geführt, wo uns eine Kellnerin die Speisekarte servierte und nach Getränken fragte.
Als sie wieder weg war, begann ich aufmerksam die Karte zu studieren.
Neben Hummer und Hirsch gab es glücklicherweise auch „normales“ Essen und ich fragte mich ob es nicht vielleicht irgendwie peinlich wäre in einem todschicken Restaurant wie diesem hier normale Pasta zu bestellen.
Dave klappte nach wenigen Minuten schon seine Karte zu und bedankte sich für die Getränke die wir an unseren Tisch gestellt bekamen.
„Haben Sie schon entschieden?“
Die Kellnerin hatte eine sehr angenehme freundliche Stimme und schenkte uns ein strahlendes Lächeln. Ihre blonden Haare waren kunstvoll mit vielen kleinen Haarspangen an ihrem Hinterkopf befestigt und sie trug ein schwarz-weißes Kostüm mit einer Schürze die allem Anschein nach sogar aus Satin war und das Logo des Restaurants trug.
Dave nickte mir zu und deutete mir so an, dass ich zuerst meine Bestellung aufgeben sollte.
Perplex wie ich war und unsicher ob meine Wahl nicht lächerlich war, ließ ich ihm den Vortritt.
„Ich kriege die Spaghetti Bolognese“
Erstaunt blickte ich ihn an.
Die Bedienung ließ nicht mal im entferntesten das Gefühl aufkommen, dass die Bestellung seltsam war und so wagte ich es nun auch meine zu nennen.
„Lasagne Al Forno bitte“
Sie nickte und gab die Bestellung in ihren kleinen schwarzen Computer ein. „Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“
Dave war mir einen fragenden Blick zu. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, danke“
Während wir auf unser Essen warteten unterhielten wir uns über gewöhnliche Themen wie Schule, Lehrer und Mitschüler. Ich war überrascht, dass ich so gut mit ihm reden konnte und sehr erleichtert, dass er keine ernsteren Themen ansprach.
Als wir schließlich unsere Pasta aßen blieben eh kaum Möglichkeiten sich noch über all zu komplexe Themen zu unterhalten.
Die Lasagne schmeckte hervorragend. Natürlich kam sie bei weitem nicht an Tierblut und in dreihundert Jahren nicht an den unvergleichlichen Geschmack menschlichen Blutes heran, aber für gewöhnliche Nahrung mundete es mir erstaunlich gut.
Und auch Dave schien es zu schmecken. Als die Kellnerin gegen elf Uhr ihr Trinkgeld bekam betonte er noch mehrmals wie wunderbar das Essen geschmeckt hatte, dann half er mir zuvorkommend auf und reichte mir meine Jacke.
Als wir hinaustraten wollte ich gerade in Richtung Schulgelände laufen, da nahm Dave meine Hand. „Warte Ren. Nicht da lang“
Ich runzelte die Stirn.
„Komm“ Mit diesen Worten führte er mich eine Straße weiter. Als er auf den Knopf an seinem Autschlüssel drückte blinkte ein silberner Wagen an der Straßenseite.
„Achso du hast hier geparkt“
Ich stieg in seinen Wagen ein und schloß die Tür.
„Ja“, antwortete er, während er sich den Gurt anlegte und den Schlüssel ins Zündschloss steckte. „Ich kann dich doch nicht bei der Kälte durch die Gassen führen“
Er lachte lauthals und ich stimmte etwas leiser mit ein.
Da er nicht genau wusste wo ich wohnte musste ich ihm ab einem bestimmten Punkt der Strecke den Weg weisen, dann hielten wir in unserer Einfahrt.
„Der Abend mit dir war sehr schön“
Und so wie ich es sagte meinte ich es auch.
„Ja, wunderschön“, gab er sanft zurück.
Dann gab ich ihm rasch ein Küsschen auf die Backe, stieg aus und lief ins Haus.
Ich war mir sicher, dass selbst bei normalen Familien alle Leute gespannt wach geblieben wären um zu schauen, wie das erste Date nun ausgegangen war.
In einer Familie in der kaum einer überhaupt schlief war es umso wahrscheinlicher ein Empfangskomitee zu bekommen.
„Hallo allerseits“, begrüßte ich die Neugierigen als ich durch die Tür kam.
Meine ganze Familie stand nun da, lächelte mich an und wollte mich wohl am liebsten mit Fragen überhäufen. Glücklicherweise behielten sie diese jedoch für sich.
Mir fiel auf das einer fehlte.
„Wo ist Jacob?“
„Der ist schon relativ früh schlafen gegangen“, antwortete mein Vater.
Ich nickte nur kurz.
„Ich werde jetzt auch gehen, war ein langer ereignisreicher Abend. Gute Nacht“
Als ich die Treppe hinauf ging vernahm ich mehrere „Gute Nacht Nessi“s und zwei „Gute Nacht Schatz“es
Obwohl es schon ein Uhr Nachts war entschloss ich mich noch zu duschen.
Als ich mir meine Schlafsachen angezogen und mir ein Handtuch um die nassen Haare gebunden hatte, lief ich möglichst leise in den Flur. Unten konnte ich wie immer den Fernseher und einige angeregte Unterhaltungen hören.
Ob es dabei auch um mich ging, interessierte mich in diesem Moment ausnahmsweise nicht.
Ich lief schnurstracks die Treppe hinunter und wollte möglichst unauffällig ins Erdgeschoss unserer Villa.
Das man mich bemerken würde war mir klar, aber es sagte keiner was und ich hatte auch keine Lust irgendwas zu sagen, daher war ich mal wieder froh über das Schweigen.
Viel Gerümpel hatten wir nicht und so war in dem riesigen Kellergeschoss nur ein einziger kleiner Raum in dem alte Sachen lagerten. Meine Familie hatte die Angewohnheit regelmäßig ihre Möbel zu entsorgen und zu verkaufen um sich neue zuzulegen. Niemand hatte Lust viel Zeugs zu lagern. Neben der „Gerümpelkammer“ wie Rosalie sie immer nannte, hatten wir hier unten sogar einen kleinen Whirlpool und eine Sauna.
Beides weitgehend unbenutzt. Sie waren schon hier gewesen, als wir eingezogen waren. Im Keller hatte es auch mal einen Fitness-Raum gegeben, der hatte aber seine allererste Cullen-Nutzung nicht überlebt. Leider waren die Gewichte nicht für vampirische Kräfte gerüstet und so hatte Emmett es geschafft sämtliche Geräte innerhalb von nichtmal fünf Minuten total zu verschrotten. Jetzt lagerten wir hier unten nur noch geräuchertes Essen, Konservendosen und in einem separaten Schrank meine Lieblingsblutgruppe.
Als ich mich der hölzernen Tür am Ende des Kellers näherte, wurde ich etwas nervös.
Vorsichtig öffnete ich sie einen spalt und lugte hinein. Es war stockdunkel, aber auf diesen Fall war ich vorbereitet gewesen.
Ich zog eine kleine gelbe Kerze und ein Feuerzeug aus meinem Bademantel. Ich hätte stattdessen auch einfach eine Taschenlampe nehmen können, aber ich liebte die altmodischen Methoden. Eventuell hatte ich das von meinem Vater geerbt.
Das Kerzlein erhellte nur sehr wenig, aber ich konnte erkennen, dass das Bett leer war.
Zuerst dachte ich, er sei gar nicht da, da vernahm ich das Schnarchen.
Jake lag zusammengerollt in einer Ecke des Zimmers. Er war ein Wolf.
Mit einer langsamen fließenden Bewegung kniete ich mich neben ihm auf den Boden und stellte die Kerze ab, dann strich ich ihm über sein rotbraunes Fell.
Das Schnarchen hatte jetzt aufgehört, daher wusste ich das er wach war, dennoch waren seine Augen geschlossen und er gab keinen Ton von sich oder machte anstallten sich zu bewegen.
„Ach Jake“, sagte ich sanft und streichelte ihm dabei die riesige Schnauze. „Jetzt sei doch bitte nicht beleidigt“
Er brummte kurz und leise.
„Komm schon.. du weisst doch wie gern ich dich habe“
Ein kurzes Winseln war die Antwort.
„Ja... ich hab dich sogar sehr gern.“
Dann beugte ich mich zu ihm hinunter und gab ihm einen Kuss auf die feuchte Nase.
„Gute Nacht, Jake.“

- Ende Kapitel 03 -

Kapitel 02 - "Hartnäckige Jungs gibt es in jeder Generation"

Am nächsten Tag fuhr ich nicht mehr ganz so widerwillig zur Schule. Was konnte schon schlimmes neues auf mich zukommen? Ich kannte das Schulgelände und die meisten Schüler hatten mich schon angestarrt.
Als ich aus dem Auto stieg stand Hannah schon am Eingang des Schulgebäudes und winkte mir zu. Neben ihr stand ein Junge. Er war größer als sie, normal gebaut, also nicht zu schmächtig und hatte blondes mittellanges Haar das ihm bis zu den Ohren reichte. Alles in allem sah er doch recht gut aus und er lächelte mich die ganze Zeit an.
Das konnte ja was hingeben...
Noch ehe ich was zur Begrüßung sagen konnte reichte er mir schon die Hand.
„Hallo Renesmee. Hannah hat mir schon von dir erzählt. Verzeih ich hatte Gestern nicht die Chance dich kennenzulernen. Mein Name ist David, du kannst mich gern Dave nennen und wow.. Hannah hat nicht zu viel versprochen du bist wirklich hübsch.“
Ich sah ihn einfach nur an ohne eine Reaktion zu zeigen. Offensichtlich gab es noch andere Kerle die Jakes Lebensphilosophie teilten. Für mich war zumindest dieser „Dave“ etwas zu direkt. „Ähm.. ja.. danke“
Hannah schien die Situation direkt zu begreifen. „Na kommt“, lies sie mit einem Grinsen verlauten. „Wir müssen in die Klasse, sonst kriegen wir noch Ärger.“
In der ersten Stunde stand Geschichte auf dem Stundenplan. Für mich gar kein Problem. Meine Familie hatte mich sehr gut für die richtige Schule vorbereitet. Da man mich nicht an einer Schule anmelden oder einem Privatlehrer anvertrauen konnte, waren sie quasi dazu gezwungen gewesen, mir das nötige Wissen selbst beizubringen.
Dabei war es nicht nur nützlich, dass sie sehr viel Zeit gehabt hatten massig Bücher zu wälzen, sondern auch, dass Einige von ihnen viele Jahrzehnte selbst miterlebt hatten.
Über viele Dinge wusste ich also quasi fast aus erster Hand bescheid. Ich konnte nur hoffen, dass mich nie jemand fragen würde woher ich manche Dinge so gut wusste.
Bis jetzt lief allerdings alles sehr gut. Bis auf die Tatsache das ich nach wie vor angestarrt wurde uns insbesonde Dave permanent zu mir rüberschaute, war alles okay.
Vor dem Kunstunterricht hatten wir dann etwas mehr Zeit. Hannah führte mich zu einer Bank in einem Flur auf der wir Platz nahmen. Ich wunderte mich, dass wir die Zeit nicht wie sonst in der Schulkantine verbrachten, doch sie meinte sie würde vor dem Kunstunterricht um diese Zeit immer hier warten. Und kurz drauf erfuhr ich auch worauf sie wartete...
Sofort drehte ich meinen Kopf nach links, direkt in die Richtung aus der Edward Cullen um die Ecke kam. Einen kurzen Moment sahen wir uns an und die Zeit schien stehen geblieben zu sein.
Gewiss ich hatte meinen Vater schon so oft gesehen, aber nun war es einfach anders. Ihn unter dem Vorwand anzusehen er sei mein Bruder war so fremd und seltsam.
Scheinbar hatte er aber die Situation besser im Griff als ich. Sofort legte er ein sanftes Lächeln auf, sah mich mit seinen goldenen Augen an und schritt auf mich zu.
„Hallo Renesmee“ Hallo Daddy, antwortete ich meinem Vater in Gedanken, wohlwissend das er es hören würde.
Für alle anderen sollte die Wahrheit jedoch unausgesprochen blieben und es tat weh, obwohl ich wusste, dass es das einzig Richtige war. „Hallo Edward“
Er umarmte mich herzlich. Ich hoffte das sie darin nur Geschwisterliebe sehen würden und nicht die die ein Vater für seine Tochter fühlte.
„Wie ich sehe hast du schon Freunde hier gefunden“
An meiner Seite strahlte Hannah jetzt über das ganze Gesicht.
„Ja.. ähm Edward Hannah. Hannah Edward“, stellte ich die Beiden kurz und bündig vor, ich wollte ihn einfach nicht Bruder nennen. Ich wollte mich allen Mitteln davor drücken, dass noch einmal zu sagen.
Hannah strahlte noch immer und Edward lächelte sie nur zaghaft an. Ob es nun daran lag, dass er keinerlei Interesse an ihr hatte oder daran, dass er befürchtete das sie wohmöglich in Ohnmacht fallen könnte, wenn er ihr mehr Aufmerksamkeit schenkte, wusste ich nicht. Vielleicht war es auch beides.
Als das erlösende Klingeln der Schulglocke endlich ertönte fühlte es sich an, als wäre ich von einer Last befreit die so schwer war wie hundert LKWs. Ich musste mich anstrengen nicht erleichtert aufzuseuftzen.
„Ich geh dann mal wieder zum Unterricht“, sagte Edward. „Wir sehen uns zu Hause“
Er zwinkerte mir kurz zu und ich nickte, dann nahm ich Hannah die wie festgefroren neben mir stand und zog sie in den Kunstsaal. Sogar ihr grinsender Gesichtsausdruck schien wie eingemeiselt. Selbst eine Viertelstunde später als wir schon längst vor unseren kleinen Tonskulpturen standen grinste sie ihr graues verklumptes Etwas vor sich an.
Ich beschloss später meinem Vater davon abzuraten irgendwen nochmal anzulächeln, dann rüttelte ich Hannah. „Hey, was soll das darstellen?“
Sie säuselte irgendwas vor sich hin, das ich nicht verstand. Kopfschüttelnd wand ich mich wieder meiner Figur zu. Der kleine Wolf nahm schon etwas Gestalt an. Als unsere Kunstlehrerin an unseren Tisch trat, eine kleine exzentrische Dame mit hohem Stimmchen und zerfledderten zugeschmierten Klamotten die auf den klangvollen Namen Mrs Floralys hörte, schwärmte in den höchsten Tönen davon. Ich lächelte nur und freute mich auch irgendwie dafür Lob zu kriegen.
Als es dann Klingelte nahm ich meinen kleinen Wolf und stellte ihn vorsichtig auf die Ablage hinauf zum Trocknen zu den anderen Figuren. Etwas weiter links sah ich auch das krüppelige Etwas von Hannah stehen und musste leise kichern.
Als ich diesmal mit Jake an meiner Seite nach Hause fuhr erzählten wir uns heiter von den Geschehnissen dieses Tages. Nur welche Form meine Skulptur hatte und die Sache mit David ließ ich aus. Ich war froh, dass er nicht danach fragte, denn ich hatte mir nichts für diesen Fall einfallen lassen.
Auch als wir am Abend am großen Esstisch saßen kam ich nicht umhin von meinem Tag zu berichten. Meine Familie allen voran meine Eltern lächelte zufrieden und freute sich mit mir.
Im Grunde war das allabendliche Sitzen am Tisch nur zum Reden gut, denn wirklich essen tat hier kaum einer. Es sei denn man betrachtete es so, dass Jake für uns alle aß. Die Menge an Essen die er verdrückte kam so ungefähr hin.
Die folgenden Tage vergingen ohne große Ereignisse. Hannah war am nächsten Tag wieder normal, ich lernte einige neue Lehrer und Schüler kennen, die aber weitgehend normal mit mir umgingen, obgleich ich stets das Gefühl hatte, dass sie mich teilweise mit Bewunderung und teilweise mit Neid ansahen.
Und Dave ließ natürlich nicht locker und flirtete weiter mit mir. Ich ging allerdings nicht sonderlich auf ihn ein, was ihn jedoch nicht daran hinderte es weiter zu versuchen.
Etwa eine Woche später in der letzten Stunde des Freitags saßen wir wieder im Kunstunterricht. Ich war gerade dabei mein Wölfchen rostrot anzumalen, während Hannah verzweifelt versuchte mit einem kleinen Meißel ihrem Brocken Gestalt zu verleihen, als Dave an unseren Tisch kam.
„Hübsch“, sagte er mit Blick auf meinen Wolf. „Du hast ein Auge für Details“
Ich lächelte. „Danke. Ich gebe mir Mühe“
„Ich mir auch“
Einen Moment sah ich ihn an, dann begriff ich, dass er nicht seine Skulptur damit meinte.
Ich senkte wieder meinen Blick und malte die kleinen Pfötchen an.
„Ehrlich Ren. Du könntest auch aufhören mich abzublocken und mir wenigstens eine Chance geben“
Meine Hände fingen an zu zittern und ich legte lieber den Pinsel weg, bevor ich Gefahr lief meine Figur zu versauen. Ich warf kurz einen Blick zur Seite. Hannah schien sich nicht sonderlich für unsere Unterhaltung zu interessieren. Entweder verstellte sie sich nur gut oder aber ihr Werk hatte wirklich ihre ganze (verzweifelte) Aufmerksamkeit.
Einen Moment sah ich in Daves blaue Augen. Er schien es wirklich ernst zu meinen.
Dann kam das erlösende Klingen. Hastig nahm ich meinen rostroten Miniwolf, stellte ihn auf die Ablage und spurtete aus dem Saal, direkt zum Auto.
Ich wusste nichtmal warum ich mir bei der Sache so unwohl vorkam, ich tat es einfach.
Dummerweise fing er mich auf halbem Wege ab und stellte sich mir in den Weg.
„Renesmee“
Kurz sah ich in sein bittendes Gesicht.
„Was hab ich dir denn getan, dass du so zu mir bist?“
Ich kniff die Augen zusammen. „Nichts.. ich meine... ich weiß nicht..“
„Na also, dann kannst du mir doch wenigstens eine Chance geben“
Ich öffnete die Augen und zwang mich zu einem Lächeln.
„Inwiefern?“ fragte ich kurz und knapp.
Jetzt lächelte er. „Geh mit mir aus. Wenn du danach noch immer deine Ruhe willst, lass ich dich in Frieden“
„Versprochen?“
Er hakte seinen kleinen Finger in meinen. „Versprochen“
„Okay..“ seufzte ich.
„Alles klar“, antwortete er. „Dann Morgen um 20 Uhr genau hier“
Ich nickte, dann schritt ich mit gesenktem Kopf an ihm vorbei zum Parkplatz. Ich sah noch im Augenwinkel wie er zufrieden lächelte.
Aus einem mir völlig undefinierbaren Grund fühlte ich mich nun absolut schlecht, ganz so als beginge ich gerade einen riesengroßen Fehler, als würde ich jemanden betrügen.
Aber ich konnte nicht sagen was genau es war.
Als mir dann auf dem Parkplatz Jacobs Geruch entgegen kam fühlte ich mich direkt etwas besser, wie immer wenn er in meiner Nähe war.
Wie auch an allen Tagen zuvor lehnte er an der Beifahrerseite meines weißen Spiders und begrüßte mich mit einem Lächeln – das kurz drauf auch wieder verschwand.
„Ist alles okay?“
Ich gab mir alle Mühe gelassen und glücklich zu wirken und trotzdem konnte ich vor ihm nicht verbergen, dass ich kurz vorher fast geheult hätte.
„Ja..“ antwortete ich kurz, öffnete die Türen, warf meine Tasche nach hinten und drehte den Zündschlüssel.
Auf der Fahrt schaffte er es ganze fünf Minuten nichts zu sagen. Nur sein wippendes Bein verriet mir, das er nervös war.
„Kannst du das bitte sein lassen?“
Noch immer zog ich die Nase hoch. Von meiner Fast-Heulerei hatte ich wohl Schnupfen bekommen.
„Was?“, antwortete er fast bissig.
„Du machst mich nervös“
Ich spürte seinen Blick auf mir, sah ihn aber nicht an.
„Du mich auch“
Ich antwortete nichts und starrte weiter auf die Fahrbahn.
Er seufzte, verdrehte die Augen und sah mich dann wieder durchdringend an.
„Nessie was ist los?“
Ich schüttelte nur den Kopf. Wie sollte ich antworten, wenn ich die Antwort selbst nicht kannte?
„Nessie“, jetzt wurde sein Tonfall schon drängender. „Du weisst genau, dass du mir alles sagen kannst. Ich ertrage es nicht, wenn es dir schlecht geht, also raus mit der Sprache“
Wieder schüttelte ich den Kopf.
„Nes-“ Er kam nicht dazu weiter zu sprechen da fuhr ich ihn schon an.
„Du hilfst mir in dem du die Klappe hälst, Jake! Also bitte“
Prompt tat er wie ihm geheißen, legte den Kopf gegen die Fensterscheibe zu seiner Rechten, starrte aus dem Fenster und sagte nichts mehr.
Und er sagte auch in den folgenden Stunden nichts mehr. Er blieb nur Stumm in meiner Nähe, wenn ich ausserhalb meines Zimmers war. Es störte mich überhaupt nicht, im Gegenteil. Wenn er bei mir war, fühlte ich mich besser. Nur wenn er den Mund aufmachen würde und Antworten wollte, die ich ihm nicht geben könnte, würde ich mich unwohl fühlen, aber das tat er nicht.
Vor dem Rest meiner Familie versuchte ich den Rest des Tages alles weitgehend zu verbergen. Wann immer mein Vater in der Nähe war, dachte ich an möglichst belangloses Zeug. Nur Jasper schien meine Unruhe zu spüren, doch er sagte nichts, sondern versuchte nur stumm mir zu helfen, ebenso wie es Jake tat.
Am nächsten Morgen erwachte ich aus einem traumlosen Schlaf, kam mir aber wie gerädert vor. Müde sprang ich erstmal unter die Dusche und versuchte mich zu sammeln.
In weniger als 10 Stunden musste ich also nun zu meinem aller ersten Date. Ich fühlte mich verpflichtet dorthin zu gehen, ich hatte es versprochen und ich sah auch keinen trifftigen Grund es nicht zu tun. Dave war nett und freundlich und er gab sich wirklich Mühe. Aus einem mir unbekannten Grund fühlte ich mich jedoch von innen heraus unwohl dabei.
Irgendwas sagte mir, dass es besser war auf mein Bauchgefühl zu hören, doch ich versuchte meine innere Stimme so gut es ging zu verdrängen.
Bisher hatte ich noch niemandem davon erzählt und ich hatte auch nicht vor Details zu verraten. Das ich mir schlecht vorkam, sollte niemand erfahren. Ich wollte bei oberflächlichen Informationen bleiben, das musste allen reichen.
Das ich ein Date hatte, mit wem ich es hatte, wann und wo und wann ich wieder zu Hause sein würde, mehr nicht.
Es war kurz vor Sechs als ich nach unten ins Wohnzimmer ging. Emmett und Rosalie hatten es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht, Carlisle und Esme ebenfalls.
Meine Mutter und Alice saßen neben meinem Vater und Jasper die gerade in ein Kartenspiel vertieft waren und Jacob saß auf der anderen Seite des Wohnzimmers auf einem Hocker nahe dem Kamin, der jedoch aus war.
Sofort bekam ich wieder ein mulmiges Gefühl im Magen. Es tat mir so leid, dass er sich wegen mir schlecht fühlte und ich ihm nichtmal gesagt hatte was los war.
Als ich langsam näher kam sahen nur Alice, Esme, Carlisle und meine Mutter auf, alle anderen rührten sich nicht, sahen weiter fern oder spielten ihre Partie.
„Ähm.. Mum“, fing ich zaghaft an.
„Ja mein Schatz?“
„Ich ähm gehe heute Abend aus“
Jetzt wandte sich auch Rosalie um und in Alice Augen vernahm ich ein flackerndes Leuchten.
„Aus?“, fragte meine Mutter.
„Ähm ja..“, es fiel mir schwer es auszusprechen. „Ich... hab.. ein.. Date.“
Jetzt spürte ich mit einem Mal alle Blicke auf mir. Besonders den von weiter hinten vom Kamin.
Der Blick meiner Mutter war für einen kurzen Augenblick unergründlich, dann lächelte sie wieder.
„Wieviel Zeit hast du noch?“ Alice stimme war nun eine Oktave höher, sie schien richtig aufgewühlt.
„Ähm.. zwei Stunden ungefähr“
„Okay das reicht gerade so.“ Blitzschnell hatte sie sich erhoben, mich bei der Hand genommen und war nun drauf und dran mich nach oben in ihr Beautyzimmer zu verfrachten, da wurde sie von der Stimme meines Vaters aufgehalten.
„Einen Moment bitte“
Wir hielten inne und sahen ihn an. Sein ernster Blick wandelte sich rasch zu einem Lächeln.
„Darf man auch fragen wer der Glückliche ist“
Ich war mir nicht sicher, aber ich konnte schwören von hinten ein kurzes Knurren vernommen zu haben, dann antwortete ich zügig.
„Sein Name ist David. Er ist aus meiner Klasse und Hannah hat ihn mir vorgestellt.“
Mein Vater nickte. „Alles klar. Du hast Ausgang bis zwölf, dann bist du wieder hier junge Dame“
„Verstanden“, bestätigte ich, dann konnte Alice sich nicht mehr im Zaum halten und zog mich die Treppe hinauf. Rasch warf ich noch einen kurzen Blick zum Kamin, doch der Hocker war jetzt leer...

- Ende Kapitel 02 -


Samstag, 12. Juni 2010

Rising Sun- Bis(s) das Licht der Sonne erstrahlt


Titel:

Bis(s) das Licht der Sonne erstrahlt


Titelzusatz (quasi als englischer Titel):

Rising Sun


Autor:

chaela (Shape-shifter)


Kapitel:

27


Erstveröffentlichung:

27. März 2009


Inhalt:

Sieben Jahre sind seit den Ereignissen von "Bis(s) zum Ende der Nacht" ("Breaking Dawn") vergangen. Aus Renesmee ist inzwischen eine Teenager geworden und obgleich sie sich von ihren Mitschülern unterscheidet bleibt auch sie nicht vor den diversen Problemen Jugendlicher verschont. Besonders zu schaffen macht ihr dabei ein Gefühlschaos sondergleichen. Wird die Tatsache das ein Werwolf auf sie geprägt ist, ihre Entscheidungen beeinflussen? Oder wählt sie doch einen anderen Weg?

Und wenn sie ihre Wahl getroffen hat, wie geht es dann weiter für den jungen Halbvampir?

Eines ist sicher: zwischen Vampiren, Werwölfen und jede Menger Mythen und Sagen die in den Augen der Menschen gar nicht real sind, hat es selbst ein übernatürliches Mädchen alles andere als einfach...


Hier gehts zur Homepage der Autorin


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Also Ich kan diese FanFiction nur empfehlen!

Ich hab sie gelesen und direkt geliebt^^

Also einfach mal reinschnuppern,

und ihr kommt nicht mehr davon los ;)

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